HTTP 2.0: Wie sich Webseitenabrufe beschleunigen lassen

Der Abruf von modernen Webseiten kann sich selbst bei schnellen VDSL- oder KabelanschlĂĽssen hinziehen, denn das aktuelle HTTP 1.1 lastet die Leitungen nicht aus. Die kommende Version 2.0 verspricht spannende neue Verfahren und deutliche Verbesserungen.

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An der nächsten Version des Hypertext Transfer Protocol, mittels dem Server Webseiten an Clients ausliefern, tüfteln Fachleute seit einigen Jahren – weil das aktuelle HTTP 1.1 mit modernen Webseiten überfordert ist. Die Fortschritte sind bemerkenswert: Wenn alles nach Plan läuft, dürfte sich das Surfen mit HTTP 2.0 wie eine Runderneuerung des WWW anfühlen.

Der AnstoĂź ging ursprĂĽnglich von Googles Technik SPDY aus, die ausgehend von neuralgischen Punkten einige ĂĽberzeugende Verbesserungen aufzeigte. Eingebaut in einige Webbrowser, darunter Chrome und Firefox, sowie in wichtige Webserver, konnte SPDY den Weg fĂĽr HTTP 2.0 bereits ebnen.

Vor allem beim Abruf von Webseiten, die aus vielen einzelnen Elementen bestehen, zwingt das aktuelle, aber betagte HTTP 1.1 den Client und den Server dazu, Zeit zu vertrödeln. So bestehen die Verbesserungen, die das neue HTTP 2.0 verspricht, hauptsächlich darin, Anfragen und Antworten so zu verdichten, dass keine Wartezeiten entstehen. Ein eleganter Weg dazu besteht darin, eine TCP-Verbindung für sämtliche Anfragen an einen Server zu nutzen.

[Update] HTTP 1.0 musste noch nicht so effizient arbeiten und baut daher für jede Anfrage eine separate TCP-Verbindung auf. HTTP 1.1 macht das nur wenig besser. Es darf zwar mehrere Requests nacheinander über dieselbe TCP-Verbindung abschicken (Pipelining), muss aber jeweils den kompletten Response abwarten, bevor es über diese TCP-Verbindung den nächsten Request abschickt – denn wenn zwei oder mehr Responses zeitlich überlappen, kann es sie nicht auseinanderhalten. Das versucht HTTP 1.1 mittels zusätzlichen TCP-Verbindungen zu kompensieren, über die es dann weitere HTTP-Requests abfeuert. Um den Server nicht zu sehr zu belasten, schränkt es die Anzahl der TCP-Verbindungen aber auf 6 bis 8 ein. Der Aufbau der TCP-Verbindungen kostet aber Zeit. Aus Sicht einer Internet-Leitung sind solche Anfragen kleine Denkpausen, in denen sie nichts zu tun hat, bis die Antwort eingeht (sofern nicht gerade eine andere Anwendung darauf zugreift). Im Endeffekt kommen komplexe Webseiten mit HTTP 1.1 nur stotternd beim Surfer an [/Update].

Zu den weiteren neuen Techniken, die HTTP 2.0 auszeichnen, gehören ein Multiplexverfahren, mit dem mehrere Antworten innerhalb eines Datenstroms verschachtelt werden, eine Datenkompression für HTTP-Header, die besonders die schmalen Internet-Uplinks entlastet und auch eine Push-Technik, mit der ein Server dem Client Daten ungefragt zuschiebt, die er sowieso noch anfordern würde.

[2. Update] An der Spezifikation feilt die Internet Engineering Task Force noch. Ein für den April 2014 geplanter Working Group Last Call ist nun für Juni geplant, aber noch ungewiss. Der nächste Punkt auf dem Terminplan ist dann für den November anvisiert, dann könnte das Verfahren bei der IESG (Internet Engineering Steering Group) zur Prüfung auf dem Tisch landen [/Update]. Im heise-Netze-Artikel Wie HTTP 2.0 das Surfen beschleunigt gehen wir detailliert auf die Schwachpunkte in HTTP 1.0 und 1.1 ein und zeigen von da aus, wie das neue HTTP 2.0 das WWW beschleunigt.

Siehe dazu in heise Netze:

(dz)