Die Crowd, die sich nicht traut

Eine Batterie, die nur Wasser braucht, um wieder aufzuladen? Bestechende Idee, finden Sie nicht? Leider sahen das die Backer auf Indiegogo anders.

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Von
  • Jens Lubbadeh

Eine Batterie, die nur Wasser braucht, um wieder aufzuladen? Bestechende Idee, finden Sie nicht? Leider sahen das die Backer auf Indiegogo anders.

Es schien so eine gute Idee: Eine Batterie, die mit Wasser läuft – immer und immer wieder. Nie wieder Angst, dass einem der Saft ausgehen könnte und auch keine Umweltsauerei mehr. Das Startup H2OnlyBattery hat es möglich gemacht und eine Batterie geschaffen, die man nur befeuchten machen muss und schon liefert sie Strom. Wie das ganze funktioniert, verraten die Entwickler nicht. Nur soviel, dass sie völlig ohne umweltschädliche Materialien auskommt.

Update 15. April: Nach Angaben der Entwickler enthält soll ihre Batterie bei täglichem Gebrauch von ihrer Lebensdauer her in in etwa 100 konventionelle Sets von zwei AA-Zellen (oder drei AAA-Zellen) ersetzen können. Die H2Only-Batterie enthalte keinerlei Elektrolyten und habe auch keine Energie gespeichert. Das zugegebene Wasser fungiere als Katalysator und setze eine elektrochemische Reaktion in Gang, die Energie freisetzt. Sie komme zum Erliegen, sobald das Wasser verdunste. Das Prinzip ist patentiert unter WO 2013072708 und die Batterie CE-zertifiziert.

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Man kann eine Lampe auf die Wasser-Batterie stecken, einen USB-Stecker oder ein Radio – und ist somit dann völlig unabhängig von Steckdosen oder Batterien. Für Outdoor-Freaks ein, nun ja, feuchter Traum. Und für viele Afrikaner, die auf dem Land meist keine Netzstromversorgung haben und ihr Handy nicht aufladen können, wäre das eine passable Lösung ihres Mini-Energieproblems.

Doch leider sah die Crowd das anders: Auf Indiegogo konnte das griechische Startup des GrĂĽnders George Vilanakis gerade einmal 4000 von angepeilten 87.000 Dollar einsammeln. Sehr schade, wie ich finde, denn ich finde die Idee bestechend und ich habe die Lampe getestet.

Zwei Wochen habe ich sie im Urlaub eingesetzt und kann sagen: Sie funktioniert wie behauptet. Einmal angefeuchtet – viel Wasser braucht man nicht – leuchtet die Lampe tatsächlich so lange, bis der Schwamm im Inneren der Batterie vollständig getrocknet ist. In meinem Fall waren das mehrere Tage – während meines ganzen zweiwöchigen Urlaubs habe ich die Batterie nur zwei oder drei Mal befeuchtet. Die Entwickler geben offiziell 18 Stunden an. Allerdings nimmt zum Ende hin die Leuchtkraft spürbar ab. Die Batterie selbst ist in ein grünes Plastikgehäuse gehüllt, das aus einem 3D-Drucker kommt. Die Taschenlampe ist zugegeben etwas klobig verglichen mit heutigen Mini-LED-Strahlern und von der Leuchtkraft her mit einer normalen Lampe desselben Ausmaßes nicht vergleichbar. Dennoch: Sie lieferte immer ein solides ausreichendes Licht.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Entwickler nicht entmutigen lassen und ihre H2Only-Batterie weiter verfolgen.

Update 14. April 2014: Wie Projektentwickler Chris Papadakis mitteilt, sei die Herstellung der Batterie nicht abhängig von der Indiegogo-Kampagne. Man stehe kurz vor Abschluss einer Investorenrunde und sei bereit für die Massenproduktion. (jlu)