Lichtblick in der Pixelschlacht
Megapixel noch und nöcher: Jahrelang beherrschten die Gesetze der Konkurrenzgesellschaft das Fotogeschäft. Nun bricht ein Hersteller mit dem Wettrennen um höhere Auflösungen, der bisher eine der treibenden Kräfte war.
- Martin Kölling
Megapixel noch und nöcher: Jahrelang beherrschten die Gesetze der Konkurrenzgesellschaft das Fotogeschäft. Nun bricht ein Hersteller mit dem Wettrennen um höhere Auflösungen, der bisher eine der treibenden Kräfte war.
Wie langweilig wäre die Kameraindustrie, wenn sie nur von Canon und Nikon dominiert werden würde. Zum Glück gibt es – wenigstens noch – einige Herausforderer, die mit Neuerungen die Platzhirsche herausfordern. Olympus und Panasonic mit ihrem offenen MicroFourThird-System (MFT) zum Beispiel. Die Hersteller teilen sich nicht nur einen Objektivanschluss, so dass die Kunden mehr Objektive zur Wahl haben. Die technischen Details sind auch offen, so dass immer mehr Hersteller auf den Zug aufspringen.
Einer ist JK Imaging, der mit seiner Pixpro S-1 die Kameramarke Kodak wieder aufleben lässt. Ein anderer ist der Videokamerahersteller Blackmagic, der seine neue Studio Camera HD mit dem Objektivstandard des japanischen Kameraduos versehen hat, um seinen Kunden, professionellen Filmern, ein großes Angebot vergleichsweise kleiner und preiswerter Objektive anbieten zu können.
Ein anderer Hersteller, der in den letzten Jahren meiner Meinung nach mit interessanten Ideen nur so um sich wirft, ist Sony. Der neueste Entwurf ist die Alpha-7-Serie. Es handelt sich um eine Systemkamera ohne Spiegelreflexsystem, aber mit einem "Vollformat"-Sensor, der so groß ist wie früher Kleinbildfilm. Die Neuerung ist nun Modularität im Kamerabau: Sony bietet in einem Gehäuse drei Sensorgrößen zur Auswahl an. Modell 7 bietet eine Auflösung von 24, Modell 7r von sogar 36 Megapixeln. Und nun der kleine Clou: Mit seinem dritten Modell, der 7s, durchbricht Sony, bisher treibende Kraft im Pixelkrieg, die industrieübliche Jagd nach immer höherer Auflösung.
Die just am vorigen Wochenende präsentierte 7s verteilt auf dem Sensor nur noch 12 Millionen Pixel. Weniger als die 16 Millionen Pixel der MFT-Konkurrenz und die inzwischen fast schon handelsüblichen 13 oder 20 Megapixel in Spitzen-Smartphones. Und die Foto-Kommentatoren und Fotografen? Viele reagierten begeistert auf diese Idee. Endlich mal ein Hersteller, der nicht nur aus Marketinggründen auf Megapixel, sondern auf Bildqualität setze, sagte mir ein Profi-Fotograf.
Eine solche Bewertung ist natürlich eine Frage der Anwendung. Für meinen Freund – und auch mich – sind zwölf oder 16 Millionen Pixel mehr als genug. Er macht Reportagen für Magazine oder das Web, nicht Poster, Kunst oder Landschaftsfotografie, wo höhere Auflösung gefragt ist. Für diese Nutzergruppe verringert die kleinere Pixelzahl Speicherbedarf und Prozessorleistung bei der Bildverarbeitung, während die größeren Pixel höhere Bandbreite von Tiefschwarz bis grellweiß und noch bessere Bildqualität bei hoher Lichtempfindlichkeit versprechen. Bei Sonys neuestem Produkt kann man die Lichtempfindlichkeit auf 409.000 ISO hochschrauben. Ein Wahnsinn für alle, die sich noch an Film erinnern. Damals galt schon ein Wert von 1600 als sehr und von 3200 als extrem lichtempfindlich.
Ich glaube nun nicht, dass damit die Jagd nach mehr Pixeln aufhört. Denn je mehr man davon hat, desto mehr Möglichkeiten erschließen sich. Man kann digital zoomen und immer noch hohe Auflösungen erhalten, Pixel kombinieren, um bessere Bildqualität zu erhalten, oder im Falle von Lichtfeldkameras, die neben Helligkeit und Farbe auch Informationen zum Abstand von Objekten aufnehmen, nachträglich feiner den Schärfebereich festlegen.
Wie dem auch sei: Ich persönlich habe als Fotograf nun die Möglichkeit, mir eine Kamera zu wählen, die gerade genug Pixel für meine Anwendungen bietet. In diesem Sinne: Hoch lebe der Wettbewerb der Ideen. Ich hoffe, er wird noch lange anhalten und nicht durch den Tod kleinerer Hersteller ausgebremst. (bsc)