Geek's Home: Kameras suchen ein neues Zuhause

In München hat am gestrigen Freitag der Mediengestalter Thomas Harbers sein Projekt "Geek's Home" vorgestellt. Die Ausstellung zeigt alte Geräte aus der Film-, Fernseh- und Computertechnik.

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Von
  • Anika Kehrer
  • Philip Steffan

Die Ausstellung besteht an der einen Raumseite aus Bewegtbildkameras ab etwa 1910, an der zweiten Seite aus Fernsehtechnik ab den 1980er Jahren und alten bis mittelalten Computern an der dritten Seite, angefangen beim C64 bis zu einzelnen moderneren Stücken. Auf der Bühne des Raumes an der vierten Wand finden einige Quadrokopter Platz. Praktisch die ganze Zeit war Initiator Thomas Harbers in Gespräche und Führungen verwickelt – unter den Interessenten ein potenzieller Käufer einzelner Kameras bestimmten Typs, eine freie Internet-TV-Produzentin und ein Computer-Künstler im Seniorenalter.

Thomas Harbers ("Ich löte seit ich zehn Jahre alt bin") ist einer der ersten Mediengestalter, die Ende der 1980er Jahre ausgebildet wurden. Beruflich macht er heute mit einer eigenen Firma Postproduktion von Filmen, 3D-Animation und interaktive Programmierung. Rechner hatte er schon länger auf dem Dachboden gesammelt (auch wenn seiner ebenfalls anwesenden Frau, wie sie sagte, lieber wäre, er sammelte Briefmarken). Jedoch wurde für Harbers die Frage nach einer Lagerhalle und einer organisatorischen Absicherung ungefähr im November 2013 akut, weil er aus dem Vermächtnis des kurz zuvor verstorbenen Kameramannes Helmut Karl Ammon einen Teil von dessen riesiger Kamera- und Projektorensammlung übernahm. Ein weiterer Sammler hat seine Serverschränke mit Fernsehtechnik in die Ausstellung eingebracht, daneben gibt es noch rund zehn weitere Beiträger von Geräten.

Geek's Home (6 Bilder)

Und Action mit der "Newsreel Camera" von etwa 1910: In dieser Position und mit solchen Geräten hat Besucher Gerhard Fromm sein Arbeitsleben als Kameramann verbracht. (Bild: Anika Kehrer)

Mit dem in Gründung befindlichen gemeinnützigen Verein "Geek's home" (60 Euro Jahresbeitrag) soll zukünftig in erster Linie eine Lagerhalle finanziert werden. Ferner nennt er Vorträge, Ausstellung und vor allem echtes Spielen mit den Geräten als Vereinskonzept. Derzeit lagern alle Geräte in einem etwa 30 Quadratmeter großen, für 600 Euro netto angemieteten Raum des öffentlich-rechtlichen "FWU Instituts für Film und Bild", den Thomas Harbers privat finanziert. Ab Juli hat er eine 500 Quadratmeter große Lagerhalle in Aussicht, die dann allerdings 2500 Euro netto pro Monat kosten wird.

Bei der Eröffnung um 15 Uhr zählte das Publikum der Kickoff-Veranstaltung etwa 30 Köpfe. Super fanden zum Beispiel zwei Grafik-Azubis die "Low Tech" einer alten Kurbel-Handkamera, die den Filmer unabhängig von Strom macht. Von drei anderen Besuchern freute sich ein Informatiker: "Ich bin hier voll im Nerd-Mode!"

Bei den Tischen mit den Rechnern stand Wolfgang Höhl, Medieninformatik-Dozent an der Ludwig-Maximilian-Universität München, der Thomas Harbers privat kennt. Er grübelt über der Frage, ob die alte Technik mit modernen Verbesserungen neue Wege eröffnen könnte. "Damals, im analogen Workflow, hatte man zuerst ein Problem – zum Beispiel, bewegte Bilder aufzeichnen. Dann baute man sich das Tool dazu. Heute ist es jedoch eher so, dass man ein Gerät hat und sich dann überlegt, welche Probleme man damit überhaupt alles lösen kann." Er hält sein Smartphone hoch: "Wenn Sie so eines kaufen, kommen Sie erst nach drei Tagen darauf, dass man damit ja auch telefonieren kann."

An den Tischen mit Filmkameras dokterte der Pensionär Gerhard Fromm an einer alten Filmkamera herum. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich sein Berufsleben mit diesen alten Geräten verbracht hat: Nicht nur hatte er als freier Kameramann Dokumentarfilme in Afrika und im Mittelmeerraum gedreht, sondern auch Spielfilme. Zum Beispiel war er als zweiter Kameramann beim Film "Cabaret" mit Liza Minnelli oder dem James-Bond-Film "In tödlicher Mission" dabei.

Wer Gerhard Fromm gegenüber anmerkte, dass die alten Maschinen so schön groß und alles heutige so klein sei, sah sich gütig von ihm ausgelacht. "Wenn Sie eine aktuelle Alexa nehmen mit einem 50 Zentimeter langen Objektiv, dazu ein Kompendium und allerlei Schnickschnack, dann ist die mindestens genauso groß." (phs)