Yahoo-Aktionär klagt gegen Ex-Manager wegen exorbitanter Bezüge

Rund 127 Millionen Dollar soll der frühere Yahoo-Manager Henrique de Castro nach einer Dienstzeit von nur 15 Monaten von seinem Ex-Arbeitgeber kassiert haben. Mindestens einem Yahoo-Aktionär schmeckt das gar nicht.

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Satte 127 Millionen US-Dollar könnte Henrique de Castro in nur 15 Monaten bei Yahoo verdient haben, vermutet ein Yahoo-Aktionär. Das stößt ihm sauer auf, weshalb er de Castro sowie die Aufsichtsräte des Internet-Konzerns verklagt hat. Ob die Summe tatsächlich stimmt, ist nicht gesichert. Heise online konnte aber 100 Millionen Dollar nachvollziehen.

Kurz nachdem Marissa Mayer das Ruder bei Yahoo übernommen hatte, holte sie Googles Werbefachmann de Castro nach. Als Chief Operating Officer (COO) sollte er ab Herbst 2012 Yahoo in Schwung bringen. Weil er mit dem Wechsel auf Ansprüche gegenüber Google verzichten musste, wurde er mit einem attraktiven Angebot losgeeist. Doch Mitte Januar 2014 musste Castro schon wieder gehen. Dabei erhielt er eine Abfindung.

Klage im Namen Yahoos

Henrique de Castro im November 2008

(Bild: Ausschnitt aus einem Foto von Eirik Solheim. Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Der "David R. & Lynn B. Hughes Trust" hält die gezahlten Gelder für “unerhört und verschwenderisch”. Er führt daher Klage (Hughes Trust v. de Castro, et al) vor einem Gericht des US-Bundesstaates Delaware. In einem nicht ganz alltäglichen Schritt führt der Trust die Klage aber nicht in eigenem Namen, sondern im Namen Yahoos. Das steht Aktionären in den USA offen, wenn das Management untätig bleibt.

Den Aufsichtsichtsräten werfen die Trust-Verantwortlichen vor, dass sie Eigentum des Unternehmens verschwendet und ihre Pflichten verletzt hätten. Zudem hätten sie sich über de Castros Bezüge nicht ausreichend informiert und diese auch nicht korrekt offen gelegt.

Dem Ex-Yahoo-Manager selbst legt der Kläger ungerechtfertigte Bereicherung zur Last. Er solle daher einen nicht bezifferten Betrag an Yahoo zurück erstatten. Außerdem soll das Gericht Yahoo zu einer Reform der internen Regeln und Abläufe verpflichten. Yahoo beabsichtigt, einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens zu stellen.

Millionensummen

Yahoo hat am Mittwoch zu einer Aktionärsversammlung geladen, die im Juni stattfinden soll. Die Einladung wurde auch bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Aus diesen Unterlagen lässt sich zumindest ein Teil der Bezüge de Castros nachvollziehen. Zum Abschied erhielt er demnach 1,14 Millionen Dollar in bar, Aktien im Wert von 40,8 Millionen sowie Optionen im Gegenwert von 16,02 Millionen Dollar. In der Summe macht das 57,96 Millionen Dollar.

Schon zum Amtsantritt hatte de Castro eine Million Dollar in bar erhalten. Während seiner Zeit bei Yahoo bezog er zudem regelmäßig Optionen und Aktien. Berechnet zum Zeitpunkt seines Ausscheidens waren diese rund 41 Millionen US-Dollar wert. Insgesamt macht das rund 100 Millionen Dollar (umgerechnet 72,3 Millionen Euro).

Darüber hinaus listet Yahoo weitere Zahlungen an de Castro: Zum Beispiel 25.000 Dollar für Anwaltskosten anlässlich der Vertragsausgestaltung, 11.761 Dollar als “angemessene Kosten” für den Umzug von Großbritannien nach Kalifornien, 240 Dollar Prämie für eine Lebensversicherung, 29.491 Dollar für nicht verbrauchten Urlaub und 7.652 Dollar als Abfindung für ein zusätzliches Jahr Krankenversicherung. Zudem bezog de Castro bei Yahoo ein Gehalt in Höhe von 600.000 US-Dollar pro Jahr, was in 15 Monaten 750.000 Dollar macht.

Bonusrunde

Von der Gesamtsumme entfallen zirka 42,8 Millionen Dollar auf die Abgeltung von Google-Leistungen, auf die de Castro bei seinem Wechsel zu Yahoo verzichtet hatte. Auch das ist anhand des Börsenkurses zum Zeitpunkt seines Ausscheidens berechnet, denn dabei wurde der Großteil dieser Abfindung fällig. Zum Vorteil des Managers gereicht, dass der Kurs der Yahoo-Aktie zwischen seinem Vertragsabschluss und seinem Ausscheiden um etwa 160 Prozent zugelegt hatte.

Und dann gibt es für Top-Manager ja auch noch Bonuszahlungen. Diese hängen davon ab, wie gut das Unternehmen bestimmte Ziele erreicht. 2013 tat es das ziemlich gut. Daher erhielten CEO Marissa Mayer, Finanzchef Ken Goldman und Chefjurist Ronald Bell insgesamt 2,65 Millionen Dollar als Bonus. De Castro ging als Einziger leer aus. Der Aufsichtsratsausschuss war der Auffassung, dass de Castro "nicht die erforderlichen Leistungen erbracht" habe, um den jährlichen Bonus für 2013 zu rechtfertigen. (ds)