10-Gigabit-WLAN: Quantenna kündigt erste Gehversuche an
Als Grundlage für die Geschwindigkeitssteigerung nennt der Chip-Hersteller die 8x8-MIMO-Technik, also die Datenübertragung mittels acht räumlich getrennten Datenströmen. Zurzeit mühen sich Hersteller noch mit Geräten, die 4 Streams verarbeiten.
Der Chip-Hersteller Quantenna Communications führt seine Arbeit an der nächsten WLAN-Generation fort. Nun will das Unternehmen den weltweit ersten Chipsatz für ein nicht näher bezeichnetes "10-Gigabit-WLAN" entwickeln. Die Steigerung der Übertragungsrate gegenüber den heute schnellsten 11ac-WLAN-Geräten soll laut Quantenna hauptsächlich eine 8x8-MIMO-Konfiguration liefern. Genaues bleibt das Unternehmen in seiner wortreichen Pressemeldung schuldig.
Vermutlich ist aber eine Implementierung der IEEE-Spezifikation 802.11ac gemeint. Diese liefert in der höchsten Ausbaustufe auf dem Papier zwar nur rund 7 GBit/s. Aber womöglich findet Quantenna, dass 10-Gigabit-WLAN besser klingt. Ob 10- oder auch nur 7-Gigabit-WLAN – beides ist heute noch nicht recht vorstellbar. Auf den ersten Blick fällt schon auf, dass die übliche Gigabit-Ethernet-Schnittstelle mit 10-Gigabit-WLAN hoffnungslos überfordert wäre. Router müssten dafür auch LAN-seitig den nächsten Entwicklungsschritt machen und entweder GE-Ports mittels Link Aggregation bündeln oder gleich einen 10-Gigabit-Ethernet-Anschluss mitbringen.
Es ist jedoch die Umsetzung der Multi-MIMO-Technik, die die Hersteller vor die eigentlichen Probleme stellt. Schon 4-Stream-Geräte auf Grundlage der langsameren IEEE-Spezifikation 802.11n sind noch selten (brutto max. 600 MBit/s). Der relative Durchsatzgewinn sinkt bei jedem weiteren MIMO-Stream (3/2: +50 Prozent, 4/3: +33 Prozent, 5/4: +25 Prozent). Dabei steigt der Hardware-Aufwand linear (Sender/Empfänger-Bausteine, Antennen) und der Rechenaufwand zur Signaltrennung nimmt im Quadrat der Stream-Anzahl zu. Das erfordert zunehmend potentere Rechenkerne und damit tendenziell mehr Energieumsatz im WLAN-Chip. Und bei 11ac steigt der Aufwand wegen der bis zu 160 MHz breiten Kanäle gegenüber 11n noch weiter. Die ersten Chipsätze mit 8x8-MIMO kündigt Quantenna dennoch schon für 2015 an.
Das erscheint mutig, ist aber auch konsistent zu Quantennas bisherigem Auftreten. Quantenna war bereits der erste Hersteller, der 4x4-MIMO-Chips für die IEEE-Spezifikationen 802.11n und 802.11ac angekündigt hat (max. brutto 600 MBit/s und max. brutto 1700 MBit/s). Inzwischen erwartet man ein erstes 11ac-Gerät von Asus mit 4x4-MIMO im Laufe dieses Jahres, den RT-AC87U. Er soll über vier Antennen bis zu vier räumlich getrennte Datenströme senden und die Bruttodatenrate im 5-GHz-Band von den zurzeit üblichen 3 Streams und 1300 MBit/s auf dann 1700 MBit/s steigern – sofern er einen 4-Stream-Client als Gegenüber hat. Diese Datenraten sind nur in unmittelbarer Nähe zu erreichen, netto dürften etwa 800 bis 900 MBit/s übrig bleiben.
Zur Entwicklung von Gigabit-WLAN siehe auch:
(dz)