Dolby Axon ermöglicht Chats mit Surround Sound in Online-Spielen
Dolby hat ein neues System zur Sprachübertragung in Online-Spielen entwickelt, bei dem man Sprecher per Surround-Sound orten und der Betreiber alle Gespräche überwachen kann. Heise online hat Dolby Axon erstmals in Aktion erlebt.
Dolby hat ein neues System zur Sprachübertragung in Online-Spielen namens Dolby Axon entwickelt. Axon erlaubt es, die Richtung und Entfernung der Sprecher im virtuellen Raum zu orten. Da Axon mit besonders geringen Bitraten arbeitet und die Positionierung der Sprecher wenig Rechenleistung verbraucht, sollen Server die Sprache Tausender von Spielern gleichzeitig berechnen und übertragen können, was das System nicht nur für Online-Shooter, sondern vor allem für MMORPGs interessant macht. Eine besondere Hardware ist nicht nötig. Der Spieler benötigt lediglich ein gewöhnliches Mikrofon oder Headset und kann die Sprache über ein Lautsprechersystem mit bis zu 7.1-Kanälen oder über Kopfhörer ausgeben, bei dem der Surround-Klang mittels Dolby Headphone simuliert wird.
Gute Qualität bei hoher Kompression
Dolby Axon entfernt vor der Sprachübertragung vom Client zum Server zunächst das Rauschen und störende Umgebungsgeräusche und passt die Pegel an. Der Upstream zum Server kommt mit maximal 16 kBit/s aus. Wenn der Spieler nicht spricht, fallen keine Daten zur Übertragung an. Der Server sammelt sämtliche Sprachstreams der Clients und berechnet abhängig von der Position der einzelnen Figuren für jeden Spieler einen Downstream, der einen Mix aller für den Spieler hörbaren Gespräche enthält. Obwohl mit dem Downstream auch Surround-Informationen übertragen werden, kommt er mit 24 kBit/s aus, bei reduzierter Qualität sind sogar 16 kBit/s möglich.
Um die Rechenlast des Servers in Grenzen zu halten, berücksichtigt Dolby Axon jedoch nur rudimentäre Parameter für die Richtungsbestimmung. Die Entfernung zwischen Sprecher und Zuhörer wird schlicht über den Lautstärkepegel simuliert. Weit entfernte Sprecher klingen leiser. Dolby Axon nimmt keinerlei Filterung vor, bei der etwa bei weit entfernten Sprechern hohe Frequenzen stärker abgedämpft und der Anteil des Halls erhöht würden. Das System kann immerhin Occlusion berücksichtigen. Wenn zwischen Sprecher und Zuhörer eine Wand ist, wird das Signal weiter abgedämpft. Wie weit der Hörradius des einzelnen Spielers reicht, kann der Entwickler eines Spiels individuell festlegen. So könnte der Hörer ein Stimmgewirr aller Spieler im Umkreis von 30 Metern wahrnehmen oder nur wenige Sprecher, die direkt neben ihm stehen.
Server schneidet Gespräche mit
Doch Dolby Axon kümmert sich nicht nur um eine qualitativ hochwertige Sprachübertragung, sondern hat auch ein "Sicherheitssystem" eingebaut. Um Beleidigungen und andere sprachliche Übergriffe in den Chats nachverfolgen zu können, puffert der Server sämtliche Sprachstreams für fünf Minuten. Wenn sich ein Spieler über einen anderen beschwert, kann der Server-Admin die Gespräche, die in der virtuellen Umgebung des Spielers stattfanden, über eine komfortable grafische Oberfläche noch einmal abhören und überprüfen.
Diese Funktion dürfte nicht zuletzt Dwight Toavs, Professor von der National Defense University in den USA interessieren, der sich unlängst darüber beschwert hatte, wie schwer es sei, Gespräche in MMORPGs wie World of Warcraft zu überwachen, sodass Terroristen Online-Spiele zur Planung von Anschlägen nutzen könnten. Wenn Dolby Axon die Gespräche sowieso für fünf Minuten puffert, dürfte es für Sicherheitsbehörden ein leichtes sein, Zugriff auf die Streams zu erhalten.
Wie klingt's?
Bei einer Demonstration von Dolby Axon in Paris wurde das System am Beispiel Unreal Tournament 3 mit einer Handvoll Teilnehmern vorgeführt. Die allgemeine Sprachverständlichkeit war für die geringen Bitraten außergewöhnlich gut, wenn auch Kompressionsartefakte wahrnehmbar waren. Besonders die effiziente Rauschunterdrückung trug zur Verständlichkeit bei. Wenn Mitspieler um den Spieler herumliefen, kam auch ihre Sprache aus der jeweiligen Richtung aus den Lautsprechern. Das System ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber bisherigen Chat-Systemen. Doch Dolby Axon ist noch weit davon entfernt, dass sich Gespräche im virtuellen Raum so natürlich anhören wie in der Realität. Es klingt noch immer sehr künstlich, wenn die Sprache weiter entfernter Sprecher lediglich leiser zu hören ist.
Verglichen mit anderen Raumklang-Systemen wie EAX von Creative Labs berücksichtigt Dolby nur einfache Hall-Parameter (Small Room, Cave etc.), die nicht für jede Stimme einzeln angepasst, sondern nur als globale Einstellung festgelegt werden können. Damit ist Dolby Axon in etwa mit früheren EAX-Versionen bis 2.0 vergleichbar, es erreicht aber nicht die Raumklangqualität neuerer Versionen wie EAX 5.0.
Zunächst nur auf PC
Dolby Axon soll sich zunächst in PC-Spielen implementieren lassen, die unter Windows XP und Vista laufen. Es nutzt unter DirectX eine eigene Software-basierte Sound-Engine, bei der die CPU sämtliche Raumklangberechnungen vornimmt und die ohne spezielle Soundkarten mit Hardware-beschleunigtem 3D-Sound auskommt. Somit läuft Dolby Axon auf jedem System, selbst wenn es nur einen Onboard-Soundchip hat. Es ist aber leider nicht mit anderen Sound-Engines wie Creative EAX kombinierbar, noch unterstützt es OpenAL.
Als nächstes will Dolby das System für die Playstation 3 anpassen, um die Implementierung für Cross-Plattform-Spiele zu vereinfachen. Die Xbox 360 soll erst später folgen, da Microsofts Konsole bereits ein weit akzeptiertes System zur Sprachübertragung implementiert habe, hieß es bei Dolby. Andere Systeme wie Wii werde man nicht berücksichten. Es war von Dolby weder zu erfahren, welche PC-Spiele mit Dolby Axon derzeit entwickelt werden, noch wann diese veröffentlicht werden sollen. Derzeit stelle man Entwicklern lediglich ein SDK zur Verfügung und berate sie bei der Implementierung. (hag)