Süßer kann Fettabbau nicht klingen
In Japan erobert ein Sirup die Küchen, der Fett abbauen und den Blutzucker senken soll. Auch der Autor dieser Zeilen hat ein paar Flaschen ergattert. Doch die Anwendung zeigt noch keinen Erfolg.
- Martin Kölling
In Japan erobert ein Sirup die Küchen, der Fett abbauen und den Blutzucker senken soll. Auch der Autor dieser Zeilen hat ein paar Flaschen ergattert. Doch die Anwendung zeigt noch keinen Erfolg.
Ich möchte an dieser Stelle einen Mythos demaskieren. Gemeinhin gilt japanisches Essen als supergesund, als wahrer Schlankmacher. Doch der Blick auf die Wölbung über meinem Hosenbund ist der empirische Beweis, dass man auch in Japan ansetzen kann. Erstens kann man sich sehr gut europäisch ernähren – allerdings mit dem Nachteil, dass es so gut wie keine Vollkornbrote zu kaufen gibt. Zweitens gibt es auch in der japanischen Küche genug Kalorienbomben: Sushi mit fettigem Thunfisch zum Beispiel, frittierte Tempura, Currys – die Liste ist lang. Und dann gibt es neben Eis noch jede Menge leckere japanische Süßigkeiten.
Doch könnte es sein, dass gerade von der kleinen Verlockung zwischendurch eine Kur gegen Verfettung winkt? In Japan macht gerade ein Sirup Furore, der helfen soll, Fettzellen abzubauen und den Blutzucker zu senken. Das Geheimnis ist ein "Seltener Zucker" (rare sugar). Darunter versteht der Entdecker Ken Izumori von der Kagawa-Universität Zucker, die selten in der Natur vorkommen. Einige dieser Süßstoffe haben keine Kalorien – wie Xylitol, dass in japanischen Zahnpflegekaugummis zum Einsatz kommt. Doch Izumori stolperte bei seiner Jagd über eine Methode, Fruktose durch bestimmte Enzyme in D-Psicose zu verwandeln. Und wie überrascht war er, als er die gesundheitlichen Nebeneffekte des Monosaccharids entdeckte.
Daraus, dachte er, lässt sich doch ein Geschäft machen. Sogar die Regierung der Präfektur Kagawa sprang sofort darauf an und stürzte sich auf die Vermarktung. Und so wurde schon bald die höchste Hürde für eine massenhafte Vermarktung des Produkts überwunden: der hohe Preis. Und so machten sich die Forscher der Universität und einer Firma daran, eine Methode zur Massenfertigung zu entwickeln.
Den Durchbruch brachte die Entdeckung, dass ein Sirup durch Erhitzung D-Psicose bilden kann. Der Anteil des Gesundbrunnens liegt zwar nur bei sechs Prozent, während der Rest den Körper noch immer satt mit Kalorien füttert. Aber die entfettende und Zucker abbauende Wirkung soll der Süßstoff behalten.
Als vorigen Herbst der Zucker zuerst im Fernsehen präsentiert wurde, war die Produktion umgehend ausverkauft. Erst in diesem Jahr konnte ich den Sirup kaufen, für umgerechnet etwa neun Euro pro halbem Liter. Der Geschmack stimmt. Doch der Bauch bleibt. Und wieder beweist sich leider eine alte Lehre: Es gibt keine Wunderdiät. Mehr Sport – und weniger essen, als man verbrennt – bleibt weiterhin der lang- wie mühsame Königsweg zur Traumfigur. (bsc)