Teilzeittwin
Ein neuartiger Viertakter soll dank eines Kolbens im Kolben noch effizienter werden. Zu Verdanken haben wir diese Idee Andreas Ross, Lehrer an der Fachhochschule Lübeck und seinem studentischen Mitarbeiterstab. Ein Prototyp läuft bereits
Lübeck, 30. April 2014 – Ein Loch im Kolben gehört ja eigentlich zu den schlimmeren Motorschäden. Ein neuartiger Viertakter soll damit aber nicht nur laufen sondern dank eines weiteren Kolbens darin auch noch effizienter werden. Zu Verdanken haben wir die erfolgreiche Umsetzung dieser Idee Andreas Ross, Lehrer an der Fachhochschule Lübeck und seinem studentischen Mitarbeiterstab. Der Prototyp läuft bereits.
Der Viertakt-Ottomotor bietet durchaus noch Potenzial zu größerer Effizienz, auch wenn die Hersteller nach den wesentlichen Schritten der letzten Jahre „Direkteinspritzung“ und „Variable Ventilsteuerung“ vor allem mit einer Summe von Detailverbesserungen am spezifischen Verbrauch ihrer Aggregate schrauben. An regelrechte Durchbrüche glauben nicht mehr viele Motoreningenieure in den Entwicklungsabteilungen, schon wegen der Kosten. Zudem fürchten Autohersteller allzu grundlegende Neuerungen wegen der damit verbundenen Geschäftsrisiken. Und deshalb greift man sogar bei angeblichen Neuerungen auf Alt- bis Uraltbewährtes zurück: Die Benzindirekteinspritzung gibt es seit über 80 Jahren, die variable Ventilsteuerung so alt wie der Ottomotor. Große Ausnahme: Die Homogene Verbrennung, bei der versucht wird, die Vorteile der Brennverfahren von Otto- und Dieselmotor zusammenzuführen. Mazda soll das jetzt ernsthaft angehen, aber die waren ja auch mutig genug, das Wankel-Konzept noch weiterzuentwickeln, als es schon niemand mehr für lohnend hielt.
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(Bild: Fachhochschule Lübeck )
Die üblichen Innovationen sind alt oder uralt
Andreas Ross von der Fachhochschule Lübeck hat es da besser als seine Kollegen bei den Herstellern: Er genießt die Freiheit, auch eine grundlegend neue Idee von der Theorie in die Praxis zu überführen. Mit seinen Mitarbeitern Helge Goldenbaum, Jan Schoke, Arno Pohl und Dirk Tschapke hat er 2009 einen so genannten Inline-Doppelkolbenmotor im Rahmen eines Studienprojektes an der Fachhochschule Lübeck erfunden und zum Patent angemeldet.
Er soll mit unterschiedlichen Kolbenflächen für Verdichtungs- und Arbeitstakt den Verbrennungsprozess effizienter machen. Eine konzentrische Doppelkolbenanordnung stellt dazu eine variable Kolbenfläche zur Verfügung. Damit vergrößert er laut seiner Erfinder das Drehmoment und nutzt den Restdruck der Ladung, der sonst beim Öffnen des Auslassventils verloren geht oder mit einem Turbolader nur unvollständig genutzt werden kann.