"Im Haushalt gibt es noch viele Möglichkeiten"
iRobot ist vielen Endkunden vor allem fĂĽr seinen Staubsaugerroboter Roomba bekannt. Die Firma arbeitet aber noch an ganz anderen digitalen Haushaltshilfen, sagt Technikchef Paolo Pirjanian.
- Tom Simonite
iRobot ist vielen Endkunden vor allem fĂĽr seinen Staubsaugerroboter Roomba bekannt. Die Firma arbeitet aber noch an ganz anderen digitalen Haushaltshilfen, sagt Technikchef Paolo Pirjanian.
Dank iRobot ist die Idee, einen Roboter das eigene Heim staubsaugen zu lassen, keine futuristische Vorstellung mehr. Ăśber zehn Millionen der kleinen Roombas wurden weltweit bereits verkauft. Doch die meisten anderen Hausarbeiten sind bislang noch zu komplex fĂĽr aktuelle Automaten.
Ingenieure im Forschungslabor von iRobot arbeiten derzeit an Verfahren, mit denen Roboter ihre Umgebung besser verstehen und mit ihr leichter interagieren können. Technikchef Paolo Pirjanian sprach mit Technology Review über die Pläne.
Technology Review: Herr Pirjanian, Sie sagen, sie wollten Robotern noch mehr Aufgaben im Haushalt ĂĽbertragen. Welche Art von Technik mĂĽssen Sie dafĂĽr noch entwickeln?
Paolo Pirjanian: Das fehlende Puzzleteil in der Endkundenrobotik sind kostengünstige Systeme zur Manipulation der Umwelt. Solche Technik arbeitet sehr erfolgreich in der Industrie, wo man hochpräzise Motoren verwenden kann und es überall starre Verbindungen gibt. Die dort verwendeten Greifer sind aber im Heimbetrieb nicht sicher genug. Und "billig" bedeutet im Industriebereich Zehntausende von Dollar. Wir arbeiten daran, das wesentlich billiger zu machen – etwa, indem wir Kunststoff verwenden und nicht Stahl. Unsere Systeme arbeiten auch mit größeren Toleranzen.
Der Navigationsbereich ist auch von zentraler Bedeutung, weil Roboter sich ja frei und intelligent bewegen müssen. Im Endkundenbereich gehören hier die Verfahren von Northstar zur Topliga, die stecken in unserem Braava. Dabei werden kleine Punkte an die Decke projiziert, die als Führungsmarkierung dienen. Die nächste Generation solcher Verfahren, an denen wir arbeiten, verwendet eine Kamera kombiniert mit Trägheitssensoren, wie man sie aus Smartphones kennt. Hier verwenden wir Fotos vorhandener Objekte zur Navigation. Das geht auch in größeren Wohnungen und sogar draußen.
Uns hilft auch, dass es inzwischen kostengünstige 3D-Sensoren gibt. Wenn man Fotos mit einer 3D-Karte eines Raumes kombiniert, erhält man so etwas wie ein CAD-Modell oder eine Art Videospielumgebung. Das erlaubt einem Roboter mehr Autonomie, weil er versteht, wo eine Tür ist oder ein Stuhlbein. Die Geräte könnten so ihre Umgebung bis hinunter auf das Niveau individueller Objekte verstehen. Eine solche Karte würde Roboter und Mensch auch eine gemeinsame Sprache geben. Ich kann dann sagen: "Bleib aus diesem Raum draußen" oder "wische dienstags die Küche" oder sogar "finde dieses Buch".
TR: Werden Roboter eines Tages wirklich schlau genug dafĂĽr sein?
Pirjanian: Eine hochwertige Karte braucht viel Speicherplatz. Man kann heute kein System entwickeln, das einem Roboter erlaubt, Hunderttausende Objekte zu verstehen. Wir können aber in die Cloud ausweichen. Ein Roboter könnte Server im Internet nutzen, um Dinge über seine Umwelt zu lernen. Beispielsweise, dass ein bestimmtes Objekt ein Becher ist und wie man diesen anzufassen hat. Die Datenbank sagt dann ihm dann: "Das Objekt sieht wie ein Glas aus, also muss ich fest genug greifen, damit es mir nicht herunterfällt, ich darf aber auch nicht so stark zupacken, dass es bricht."
TR: Was könnte ein mit dieser Technik ausgestatteter Roboter in unserem Haushalt erledigen?
Pirjanian: Solche Automaten wären am wertvollsten für all die Dinge, die wir Hausarbeit nennen – Sachen, die man immer und immer wieder erledigen muss. Die Verbraucherforschung sagt uns beispielsweise, dass das Waschen einen großen Teil unserer Zeit in Anspruch nimmt. Entsprechend wäre ein Waschroboter ganz vorne auf unserer Liste. Aber das wird noch lange dauern.
Vorher könnten wir uns mit dem Roomba anderen Flächen und Räumen zuwenden, die gereinigt werden müssen – Fenster beispielsweise oder das Bad und die Dusche. Durch unser Regierungs- und Rüstungsgeschäft haben wir viel Erfahrung mit Geräten, die in schwierigem Terrain unterwegs sind. Entsprechend könnte unsere Technik auch in den Garten hinters Haus kommen.
Wenn Sie sich den Telekonferenz-Roboter Ava für Firmenkunden ansehen, der selbst navigieren kann, können Sie sich vielleicht auch einen Roboter vorstellen, der Menschen zuhause hilft, mit anderen in Verbindung bleiben, wenn sie nicht mehr raus können. Wenn ich eine Großmutter in Florida hätte und nichts von ihr gehört habe, könnte ich den Roboter bitten, sie zu finden und sie zu bitten, mich anzurufen, damit ich helfen kann. Oder vielleicht alarmiert der Roboter gleich den Gesundheitsdienst. (bsc)