Augen weg vom Handy!

In den USA versuchen Verkehrsbetriebe, per Busansagen ins Handy versunkene Fußgänger zu warnen. Denn sie verursachen immer öfter Verkehrsunfälle.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

In den USA versuchen Verkehrsbetriebe, per Busansagen ins Handy versunkene Fußgänger zu warnen. Denn sie verursachen immer öfter Verkehrsunfälle.

Wer dieser Tage in Portland oder Cleveland neben Busrouten als Passant unterwegs ist, dürfte ungewöhnliche Ansagen hören. Die Busse warnen über Lautsprecher und Lichtzeichen, bevor sie abbiegen oder sich Fußgänger-Überwegen nähern. Sie sind Teil einer ungewöhnlichen Testreihe, mit der die Verkehrsverbünde die Unfallzahlen zu senken hoffen. Denn offenbar werden immer mehr Unfälle von Fußgängern verursacht, die durch ihre Handys abgelenkt sind. Es gibt auch schon einen Fachbegriff dafür: „distracted walking“. Kostenpunkt in Portland: 400.000 US-Dollar.

Im ersten Moment habe ich den Kopf geschĂĽttelt. Muss einen wirklich ein Bus dazu ermahnen, was der gesunde Menschenverstand wissen sollte? Brauchen wir ernsthaft Apps, die uns vor der Treppe zum U-Bahnhof warnen, wenn wir blind runterzustĂĽrzen drohen (ich habe den Link leider nicht wiedergefunden)? Haben wir uns so wenig im Griff, dass wir uns und andere per Smartphone in Gefahr bringen?

Aber es ist wohl ein ähnlicher Trugschluss, dem auch Autofahrer mit Handy am Ohr erliegen: Man guckt und kriegt ja immer noch alles mit. Pustekuchen. Als Fußgänger erliegt man dem Trugschluss noch leichter. Ich schaue eben auch schnell mal unterwegs nach, wer da eine SMS geschickt hat und was er schreibt, ohne dafür stehen zu bleiben. Auch wenn ich das streng nur auf dem Bürgersteig und niemals beim Überqueren der Straße mache, laufe ich zumindest Leuten vor die Füße. Die News aus den USA haben mich aber aufhorchen lassen. Das sollte wirklich nicht nötig sein. Das Smartphone bleibt künftig in der Tasche oder ich bleibe stehen. (vsz)