Ricardo.de soll "Schweigegelder" angeboten haben

Das Hamburger Online-Auktionshaus wollte Hamburger Auktionatoren das Wohlverhalten in einem Rechtsstreit abkaufen.

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Von
  • Maria Benning

Das Hamburger Online-Auktionshaus Ricardo hat nach Angaben des Spiegel dem Verein der Hamburger Auktionatoren, einem Zusammenschluss konventioneller Versteigerer, "Schweigegeld" angeboten. Jeweils 111 000 Mark sollten die neun Vorsitzenden des Vereins der Auktionatoren erhalten, damit sie bei einem kĂĽrzlich beendeten Rechtsstreit nicht in Berufung gehen. Zwei Auktionatoren scherten jedoch aus und verweigerten das Geschenk.

Sören Krause, Investment-Manager bei Ricardo, widerspricht teilweise der Darstellung des Spiegels. Im Gespräch mit c't räumte er aber ein, dass das Auktionshaus dem Verein ein "Aktienpaket im Wert von einer Millionen Mark überlassen wollte". -- Die Hamburger Auktionatoren und Ricardo streiten darüber, ob Versteigerungen nur mit Gebraucht- oder auch mit Neuwaren handeln dürfen. Die einstweilige Verfügung, die der Verein der Auktionatoren beim Hamburger Landgericht erwirken wollte, konnte Ricardo jedoch mit Rückendeckung der Hamburger Wirtschaftsbehörde abwehren. "Verkaufstätigkeiten im Internet sind keine erlaubnispflichtigen Versteigerungen nach § 34b der Gewerbeordnung", hatte die Behörde Ricardo mitgeteilt, das Landgericht stimmte dieser Einschätzung zu.

Laut Spiegel ist die Versteigerung neuer Waren rechtswidrig. Ricardo sieht das ganz anders: "Es bestehen keine Zweifel daran, dass Ricardo im Einklang mit der gĂĽltigen Rechtsauffassung handelt". Die ProzessbegrĂĽndung des Landgerichts, die c't vorliegt, gibt beiden Seiten Recht: Neuwaren dĂĽrfen zwar nicht versteigert werden, wer es aber trotzdem tut, handelt nicht sittenwidrig, solange er sich damit keinen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil verschafft. (mbb)