Delphi ist beliebter als Perl - oder?
Curtis Poe, ein aktiver Perl-Entwickler, befĂĽrchtet das Verschwinden der Sprache in der Bedeutungslosigkeit, da sie keine Neuerungen mehr bringe.
In einem Blog-Eintrag äußert sich Curtis Poe besorgt darüber, dass Perl aus den Top Ten der Programmiersprachen verschwinden könnte. Als Beleg für diese Befürchtung führt er TIOBEs "Programming Community Index" an. Dieser ermittelt die Relevanz von Programmiersprachen anhand der Ergebnisse von Suchmaschinenabfragen. Im November zeigt der Index Perl nach Delphi auf dem neunten Platz und damit drei Positionen schlechter als vor einem Jahr. Curtis beklagt das Fehlen von Innovationen bei Perl: "Wir laufen nur noch hinterher – genau wie der Internet Explorer und Java. Ich glaube, dass Perl 5 Gefahr läuft, jenseits vom COBOL-Syndrom keine langfristige Zukunft zu haben." Mit "COBOL-Syndrom" meint er das Phänomen, dass Banken und andere Institutionen ihre vor Jahren in dieser Sprache entwickelten Anwendungen nicht modernisieren können, da sie zu komplex und Fachkräfte Mangelware sind.
Andere Perl-Kenner widersprechen Poe jedoch. So vertrat Tim Bunce, Autor unter anderem des Datenbank-Moduls DBI, in einem Vortrag (PDF) auf der diesjährigen Open Source Convention die These, dass Perl einfach eine "reife" Programmiersprache sei. So gebe es deutlich mehr Job-Angebote für Perl- als für Ruby- oder Python-Entwickler. Ein weiterer Beleg für eine lebendige Entwicklergemeinde seien die monatlichen Uploads des CPAN (Comprehensive Perl Archive Network)-Archivs: Sie hätten sich von 2006 bis heute mehr als verdreifacht.
Betrachtet man Buchverkäufe als Indiz für die Lebendigkeit einer Programmiersprache, steht Perl allerdings nicht ganz so gut da: Mit 10000 verkauften Exemplaren im ersten Quartal 2007 (im Vorjahr 14000) kam Perl in den USA 2007 gerade noch auf Platz 12. Delphi allerdings landet bei dieser Betrachtung bei den "irrelevanten" Sprachen: Nur 48 Käufer erwarben in den ersten drei Monaten 2007 ein Buch zu diesem Thema. (ck)