Das Jahr 2000!
Wie die Zukunft aussieht, wissen wir, denn wir leben in ihr. Zur EinĂĽbung in die nahende Urlaubssaison hier ein erfrischender, kleiner Ausflug in das Morgen von gestern.
- Peter Glaser
Wie die Zukunft aussieht, wissen wir, denn wir leben in ihr. Zur EinĂĽbung in die nahende Urlaubssaison hier ein erfrischender, kleiner Ausflug in das Morgen von gestern.
Von heute aus betrachtet, scheinen die Zukunftsvorstellungen vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte oft mehr über die Zeit zu sagen, in der sie entstanden sind, als über eine mögliche Zukunft – man denke etwa an klassische Star-Trek-Episoden aus den Sechzigerjahren, in denen Außerirdische oft verdächtig aussahen wie Mädchen mit Gogo-Stiefeln und Minikleidern.
Eine feste Größe im Repertoire der Utopien des 20. Jahrhunderts, wenn nicht das Zukunftssymbol schlechthin, war das Jahr 2000. Was uns zu diesem magischen Datum erwarten sollte, illustriert diese Grafik aus einer Werbeanzeige für Cinzano aus dem Jahr 1960: Fliegende, individuelle Transportkapseln, Röhrenbahnen und komplex ineinander verwickelte metropole Lebensräume. Und auch sie wußten, wie man in Kuppelstädten und mit Schwebegleiter seinen Alltag als Durchschnittsfamilie hinbekommt: Die Jetsons.
Hier eine etwas ältere, analoge Art der Prognostik: Wahrsagekarten für's Kartenlesen. Im Kern aber muß ein guter Science-Fiction-Autor seine Fantasien auf solide Wissenschaft bauen. Warum SF-Schriftsteller oft gut darin sind, die Zukunft vorherzusagen, wird in Maria Popovas wunderbarem Blog Brain Pickings diskutiert.
Während Vorhersagen über die Art unseres Zusammenlebens und die Gestalt unserer Gesellschaft nur schwer zu treffen sind, gibt es bei Produkten keinen Halt für das Imaginationsvermögen. So gestaltete der schwedische Ingenieur und Autor Sigvard Berggren 1952 ein Auto namens "Zukunft", das ein wenig an einen Bomber gewordenen VW-Käfer erinnert.
Futuristische Grotesken wie eine Riechanalyse-Kabine, eine Schönheitsinstitut mit damenverarbeitendem Fließband, Pelzwasserfallmützen und Panzerhüte aus einer vermuteten Modenschau der Zukunft, sowie ein elektronisches Bett aus dem 1926 von Hugo Gernsbeck begründeten ersten Science-Fiction-Magazin "Amazing Stories" – und den nachfolgenden Legionen von Morgigkeitsheften. gibt es hier in einer anschaulichen Übersicht bei Ptak Science Books. Einen Blick auf Atom-Luftschiffe auf dem Mars kann man, nebst Marskanälen, beispielsweise im Magazin "Amazing Stories" werfen.
Zum Pflichtprogramm ordentlicher Visionen gehörte – und gehört – immer auch die Weltraumfahrt nebst begeisterungsfähigem Publikum, hier in Gestalt eines russischen Kinderbuchs von 1970, "Reise ins Morgen", mit knuffigen Raketen und allerlei Vehikeln, die einmal das Fortbewegen und Reisen schneller und angenehmer machen sollten. Dass wirklich jeder aufgerufen war, an der Eroberung des Weltenraums teilzunehmen, belegt das Buch "Miss Pickerell Goes to Mars" aus dem Jahre 1965. Während die USA gerade die erste bemannte Gemini-Mission in eine Erdumlaufbahn schickten, war die altjüngferliche Farmerin Miss Pickerell bereits dabei, sich auf den Weg zum Mars zu machen.
Schließlich kommen sie zurück vom Mars oder zumindest von einer Simulation davon, die Menschen von morgen. Womit wir, wie aus einem Albtraum, wieder in unsere Gegenwart erwachen, bereits 14 Jahre tief in der verheißungsvollen Zukunft, die im Jahr 2000 begonnen hat, leider oder vielleicht zum Glück noch ohne Marskolonien, dafür aber mit Techniken und Alltagsdingen, die auch den professionellen Visionären der Nachkriegszeit nie und nimmer in den Sinn gekommen wären. (bsc)