Daten zur lokalen Schadstoffbelastung im Internet
Im webbasierten Schadstoffregister des Bundes PRTR kann sich jeder über die Luft- und Wasserverschmutzung durch Industriebetriebe an seinem Wohnort informieren. Das Register nutzt Open-Source-Software und OpenStreetMap-Karten.
Am heutigen Mittwoch wurde in Berlin eine webbasierte Version des Schadstoffregisters PRTR (Pollutant Release and Transfer Register) des Bundes freigeschaltet. Nutzer können auf der vom Bundesumweltamt betriebenen Seite über Suchfunktionen und Karten etwa abfragen, wie viele Schadstoffe ein Industriebetrieb in der Nachbarschaft ausstößt oder wie viele Schwermetalle durch industrielle Tätigkeiten in örtliche Gewässer gelangen. Auch über die Lagerung von Abfallmengen in der Umgebung gibt die Datenbank Auskunft.
Eines der Ziele sei es, dass die Bürger über das 91 Stoffe und Abfallmaterialien aufführende System eine Funktion der "Checks and Balances" ausüben, erklärte Michael Müller, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, zur Eröffnung: "Die Natur hat sonst keinen Anwalt." Letztlich seien auf Basis der ausgespuckten Angaben auch Klagen gegen Umweltbeeinträchtigungen möglich. Ausgelöst werden solle ein "Wettbewerb über die Optimierung im Umgang mit natürlichen Belastungen." Praktisch könne der Nutzer über eine Deutschlandkarte etwa seinen Wohnort eingeben, und dort eine Kennzeichnung "aller wichtigen Emittenten" finden sowie die gemeldeten Daten "im Vergleich mit Grenzwerten" betrachten.
Für die Bundesregierung ist das elektronische PRTR eines der "Leuchtturm-Projekte" des Umsetzungsplan E-Government 2.0. Diese sollen beispielhaft zeigen, wie durch die Optimierung von Prozessketten ein Beitrag zum Bürokratieabbau geleistet werden kann.
Bei dem Register kommt ausschließlich Open-Source-Software zum Einsatz. Das gesamte Projekt steht unter der GNU General Public License (GPL). Erstmals verwendet eine Bundesbehörde für die Darstellung der Emissionsdaten frei verfügbares Kartenmaterial aus dem OpenStreetMap-Projekt. Damit soll der "Community-Charakter" des Registers unterstrichen werden, das auch von Bürgerbeteiligung lebe.
Die Umsetzung des Geodaten-Servers erfolgt nach Vorgaben des Open Geospatial Consortiums (OCG). Die entsprechenden Informationen sollen künftig als standardisierter OCG Web Map Service bereitgestellt werden. Die Datenbank-Infrastruktur basiert auf PostgreSQL mit einer GIS-Erweiterung, UMN MapServer als Kartendienst und Mapbender als Geoportal. Die konsequente Open-Source-Ausrichtung gab Projektleiter Holger Böken mit als Grund an, warum man die Entwicklungskosten mit insgesamt rund 450.000 Euro vergleichsweise niedrig habe halten können.
Prinzipiell müssen rund 4000 Industriebetriebe seit 2008 Informationen über ihre Schadstofffreisetzungen in Luft, Wasser und Boden sowie über die Verbringung des Abfalls und des Abwassers außerhalb des Standortes im PRTR melden, falls festgelegte Schwellenwerte überschritten werden. Diese Daten werden nun gemeinsam mit ergänzenden allgemeinen Informationen im Internet veröffentlicht. Für die betroffenen Unternehmen wird mit diesem Schritt eine vereinfachte elektronische Meldung möglich. Der Bund und die Länder haben dafür im Rahmen der "Kooperation Umweltinformationssysteme" eine einheitliche Software entwickelt. Diese gestattet eine integrierte Online-Berichterstattung zu allen erfassten Bereichen. Über eine Offline-Variante kann zudem eine direkte Datenübertragung aus unternehmensinternen Software-Systemen über eine XML-Schnittstelle erfolgen.
Eine Datenschutz-Zertifizierung des Registers wird vorbereitet. Auch beim Stichwort "Green IT" können die Projektverantwortlichen mitreden: Sowohl das Erfassungssystem als auch das eigentliche Portal laufe in einer komplett virtualisierten Serverumgebung. Dies erlaube es, die verfügbaren Ressourcen flexibel einzusetzen, notwendige Lastreserven für Berichtskampagnen vorzuhalten und diese außerhalb der Stoßzeiten für andere Dienste zu nutzen. Damit werde ein "aktiver Beitrag zur Emissionsminderung im eigenen Rechenzentrum" geleistet.
Der Vizepräsident des Umweltbundesamts, Thomas Holzmann, kündigte an, demnächst auch Informationen über diffuse Schadstoffbelastungen etwa durch Hausfeuerung, Straßenverkehr oder Landwirtschaft einbinden zu wollen. Er hofft, dass das PRTR im "Jahrhundert der Ökologie" in der Klimadiskussion – gerade auch auf der lokalen Ebene – eine wichtige Rolle spielen werde. Unternehmen biete es eine Plattform, Fortschritte bei der Emissionsminderung und im Einsatz von umweltfreundlichen Produktionsverfahren zu dokumentieren und "damit zu werben". Generell soll das barrierefrei gehaltene Register Transparenz und die Grundlage für einen Dialog zwischen Öffentlichkeit, Politik und Industrie schaffen. (Stefan Krempl) / (odi)