BDI fordert generelle Ă–ffnung des Arbeitsmarkts
BDI-Chef Henkel möchte keine Einschränkungen für ausländische Spezialisten in Deutschland; der VDE hingegen sieht die Green-Card-Pläne kritisch.
Hans-Olaf Henkel, Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), mischt sich mit radikalen Forderungen in die Diskussion um die Green Card für ausländische IT-Experten ein: Er möchte eine generelle Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts für ausländische Fachkräfte. Der Mangel an Ingenieuren und anderen Fachleuten betreffe nicht nur einzelne Branchen, sondern die gesamte Wirtschaft. Bis 2003 würden in der deutschen Industrie vermutlich 300.000 hoch qualifizierte Fachkräfte fehlen, erklärte Henkel am Montag zum Auftakt der Hannover Messe.
Für Henkel greift eine Einreiseerlaubnis lediglich für Computerspezialisten zu kurz. Deutschland dürfe sich insgesamt "nicht länger weigern, ausländische Eliten ins Land zu lassen". Das will der BDI-Chef aber nicht nur auf zeitlich befristete Arbeitserlaubnisse beschränken. Ähnlich wie Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hält er ein dauerhaftes Bleiberecht für möglich: "Wenn dazu ein Einwanderungsgesetz nötig ist, warum nicht. Wir müssen aus dieser Bunkermentalität raus." Die Entscheidung von Bundeskanzler Gerhard Schröder für eine Green Card für Computerspezialisten sei allerdings ein erster richtiger Schritt.
Auch der Verband der Elektrotechnik (VDE) meldete sich inzwischen zum Thema Green Card zu Wort. Die Organisation sieht die Angelegenheit allerdings weit kritischer als der BDI. Generell seien Arbeitserlaubnisse für ausländische Spezialisten zwar ein richtiger Ansatz, aber langfristig müsste "durch Engagement, durch Überzeugungsarbeit und gezielte konzertierte Aktionen für die Technik und für den technischen Nachwuchs" die negative Entwicklung aufgehalten werden. Ein Ende der weiterhin sinkenden Absolventenzahlen sei erst 2002 mit rund 6.500 Ingenieuren in Sicht. Der Mindestbedarf der Industrie werde dann aber bereits bei rund 13.000 Fachkräften liegen, erklärte der VDE-Vorsitzende Rolf Windmöller.
Zur Lösung des Problems schlägt Windmöller vor, die Studiengänge attraktiver zu machen und besonders die Rahmenbedingungen für ausländische Studenten deutlich besser zu gestalten. So könnte der für dieses Wintersemester verzeichnete leichte Anstieg der Studienanfänger weiter gesteigert werden.
Derzeit sind in Deutschland nach Angaben der Industrie 75.000 bis 100.000 Arbeitsplätze in der IT-Branche unbesetzt, Tendenz steigend. (mst)