Google investiert eine Milliarde US-Dollar in Satelliten-Internet
Der US-Internetriese Google arbeitet angeblich an einem ambitionierten Satelliten-Projekt, das all jene Regionen der Erde mit Internet versorgen soll, die derzeit noch offline sind. Der Konzern plane Investitionen in Milliardenhöhe.
Google will entlegene Orte auf der Erde über eine Satellitenflotte mit Internet versorgen. Das Unternehmen plane, dafür mehr als eine Milliarde US-Dollar auszugeben, berichtet das Wall Street Journal. Am Anfang sollen demnach 180 kleine und besonders leistungsfähige Satelliten in eine Umlaufbahn gebracht werden, die niedriger ist als die traditioneller Satelliten. Geleitet werde das Unterfangen von Greg Wyler, dem Gründer von O3b Networks, der inzwischen zu Google gewechselt ist. O3b Networks hatte bereits im Herbst 2008 Pläne für ein derartiges Satelliten-Internet vorgestellt und inzwischen vier Satelliten ins All gebracht.
Bei Google seien derzeit zwischen 10 und 20 Mitarbeiter für das Projekt abgestellt. Abhängig von dem, was sie erarbeiten, könnten am Ende sogar mehr als drei Milliarden US-Dollar für das Projekt ausgegeben werden, berichtet die US-Zeitung unter Berufung auf Insider. Auch die Zahl der Satelliten stehe noch nicht fest und könne durchaus auch doppelt so hoch liegen. Google selbst habe die Pläne nicht kommentiert, aber ein Sprecher habe erklärt: "Ein Zugang zum Internet verbessert das Leben eines Menschen signifikant. Und trotzdem kommen zwei Drittel der Weltbevölkerung überhaupt nicht ins Internet."
(Bild:Â NASA Orbital Debris Program Office)
Sollte Google tatsächlich an solch einem Projekt für ein Satelliten-Internet arbeiten, würde sich das in eine Reihe ähnlicher Pläne einreihen, Offline-Regionen der Erde ins Netz zu bringen. Google selbst arbeitet bereits seit geraumer Zeit am Projekt Loon, in dessen Rahmen Stratosphären-Ballons Internet bringen sollen. Außerdem hat der Konzern im April Titan Aerospace übernommen, ein Unternehmen, das solarbetriebene Flugdrohnen herstellt, die ebenfalls einen Internetzugang bereitstellen könnten.
Wie realistisch angesichts dieser hausinternen Konkurrenz die Pläne für das Satelliten-Internet sind, lässt sich nur schwer abschätzen. So gibt es jede Menge Hürden verwaltungstechnischer Art, auch muss sich Google mit anderen Satellitenbetreibern koordinieren. Das Wall Street Journal jedenfalls zitiert einen äußerst skeptischen Roger Rush von TelAstra, einem Beratungsunternehmen der Satellitenindustrie. Der beziffere die Kosten dafür eher mit bis zu 20 Milliarden US-Dollar: "Das ist ganz genau jene Art von Luftschloss, wie wir sie auch schon früher gesehen haben." (mho)