Sun und die Open-Source-Community

Was macht Open-Source-Projekte attraktiv für freie Entwickler?

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Mit Preisgeldern für freie Entwickler möchte Sun die eigenen Open-Source-Projekte beflügeln: Sechs Projekte (GlassFish, NetBeans, OpenJDK, OpenOffice, OpenSolaris, OpenSPARC) sollen im nächsten Jahr jeweils rund 175.000 US-Dollar erhalten, die sie weitgehend nach Gutdünken auf die Entwickler verteilen können – für Bounties, herausragende Innovationen und anderes, wie Suns Open-Source-Chef Simon Phipps in seinem Blog schreibt. Jetzt wartet Sun auf Vorschläge aus den Projekten, die das Unternehmen dann in eine (juristisch) passende Form bringen will.

Für diese Idee musste Sun einiges an Häme einstecken: Das Unternehmen wolle lediglich Entwickler zu seinen angeblich wenig populären Projekten locken, konnte man in Kommentaren lesen. Das ging bis zu Vorwurf, Sun wolle mit den Preisgeldern lediglich billige Arbeitskräfte anwerben. Dagegen wehrt sich Phipps: Sun wisse sehr genau, dass man freie Entwickler nicht mit ein paar Dollar motivieren könne – auch wenn sich so durchaus ein paar Programmierer gewinnen lassen könnten.

Statt darüber zu spekulieren, inwieweit Geld als Motivation für Open-Source-Entwickler taugt, kann man aber auch zu ergründen versuchen, was in der Open-Source-Community populäre Projekte eigentlich erfolgreich macht.

Beispiel Linux: Der Linux-Kernel ist aus der Community der freien Programmierer entstanden und wird auch heute noch von diesen kontrolliert. Natürlich nehmen eine ganze Reihe von Firmen Einfluss auf die Entwicklung, indem sie zentrale Entwickler einstellen und dafür bezahlen, bestimmte Features in den Kernel zu bringen. Die Entscheidungen fallen freilich wie zu Linux-Urzeiten auf der Mailing-Liste der Kernelentwickler, wo jeder mitdiskutieren kann.

Beispiel Mozilla: Nachdem Netscape angesichts der Erfolge des Internet Explorers und der drohenden Pleite im April 1998 den Code des eigenen Communicators freigegeben hatte, dauerte es vier Jahre, bis Mozilla 1.0 erschien. Erst nachdem 2003 die Mozilla Foundation als ein von Netscape-Käufer AOL unabhängiges Lenkungsgremium entstanden war, konzentrierten sich die Entwickler auf die Einzelanwendungen Firefox und Thunderbird, die das Mozilla-Projekt in den letzten Jahren erfolgreich gemacht haben.

Beispiel Eclipse: Auch Eclipse startete 2001 mit der Freigabe von bereits brauchbarem Code durch IBM – an die Eclipse Foundation, die zur Gründung aus rund 150 Firmen bestand und bis heute die Entwicklung steuert. IBM nahm darin von Anfang an keine besondere Rolle ein. Recht schnell wurde Eclipse zu einem De-facto-Standard für Java-Entwicklung, ein teilweise freies, teilweise kommerzielles Ökosystem entstand, das bis heute zahllose Produkte und Projekte auf Eclipse-Basis hervorgebracht hat.

Trotz aller Unterschiede – Linux aus gewachsenes Community-Projekt, Mozilla als Phönix aus der Asche des verlorenen Browserkriegs, Eclipse als Produkt eines im Vorfeld konstruierten Firmenkonsortiums – haben diese Projekte eines gemeinsam: Es gibt keine einzelne Firma, die die Entwicklungen kontrolliert und letztlich über die Richtung entscheidet. Genau das unterscheidet sie von den genannten sechs Sun-Projekten, wo sich das Unternehmen mehr oder minder deutlich das letzte Wort vorbehält. OpenOffice dürfte dabei wohl die Software sein, deren Community sich am ehesten von Sun emanzipiert hat – nicht zuletzt, weil hier auch andere Unternehmen wie Novell massiv engagiert sind. Und wohl auch, weil OpenOffice schon deutlich länger Open Source ist als die anderen Projekte.

Sun braucht also nur etwas Geduld – und die Erkenntnis, dass weniger zentrale Kontrolle Open Source attraktiver macht. Geld alleine reicht sicher nicht: Was man braucht, sind Mitspieler, die auch mitreden dürfen. (odi) (odi)