Broadcom will Baseband-Sparte für Mobiltelefone verkaufen oder schließen

Der Anbieter kann sich am Markt nicht behaupten und gibt auf. Die Aktie schoss nach der Ankündigung nach oben.

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Chip-Anbieter Broadcom will keine Baseband-Prozessoren für Mobiltelefone mehr anbieten. Sollte sich kein Käufer für die Sparte des Unternehmens finden, wird die zugesperrt. "Wir haben beschlossen, dass die kommerziellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht ausreichen, um die fortwährenden Investitionen zu rechtfertigen, wenn man es mit andere Gelegenheiten in unserem Portfolio vergleicht", sagte CEO Scott McGregor am Montag in einer Telefonkonferenz mit Börsenanalysten.

Das Unternehmen hat die Bank JP Morgan damit beauftragt, einen Käufer zu finden. Eine fixe Fallfrist gibt es nicht, aber "das ist nichts, was wir hinauszögern werden", meinte McGregor. Der Einschnitt soll den Betriebs- und Entwicklungsaufwand um 600 Millionen Dollar pro Jahr senken. Da auch die Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen, entfallen die entsprechenden Zuteilungen aus dem Aktienprogramm. Das spart weitere 100 Millionen Dollar jährlich. Die Kosten für die Abspaltung oder Schließung sind in diesen Zahlen nicht berücksichtigt.

Zum Vergleich: Broadcom erwartet Einnahmen aus dem betroffenen Geschäftsbereich von 200 bis 250 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 2014. Die Baseband-Chips sind also ein Verlustgeschäft. Aus den Einsparungen möchte das Management 50 Millionen pro Jahr in die verbleibenden Unternehmensbereiche investieren. Das sind Produkte für Netzwerkinfrastruktur, "Breitband" (etwa Set-Top-Boxen) sowie "Connectivity"-Chips für Smartphones. Letztere dienen vor allem WLAN-, Bluetooth- und NFC-Übertragungen.

McGregor hat auch Kapitalrückführungen an die Aktionäre in Aussicht gestellt, ohne konkret zu werden. Das könnten höhere Dividenden oder ein Rückkaufprogramm sein. Die Aktie schoss sofort um über 13 Prozent nach oben und hielt den Großteil davon im Handelsverlauf.

Die Marktforscher von Strategy Analytics geben Broadcom einen Baseband-Marktanteil von nur drei Prozent. Qualcomm heimst demnach fast zwei Drittel des Marktumsatzes ein. Dahinter folgen mit großem Abstand MediaTek, Intel und Spreadtrum. Broadcom ist demnach auf den fünften Platz zurückgefallen. Zudem heischen Ericsson, Marvell und Nvidia um Kunden für ihre Mobilfunkchips.

Und Apple dürfte an einer Eigenentwicklung arbeiten. In letzter Zeit hat Apple rund 30 Entwickler Broadcoms abgeworben, darunter den Leiter der Baseband-Entwicklung Paul Chang. Die iPhone-Basebands stammen derzeit von Qualcomm. (ds)