Die Woche: Integrierte Lösungen
Für den Datenbankhersteller Ingres liegt der Schlüssel zum Erfolg in integrierten Komplettlösungen.
Wie hat man mit Open Source Erfolg auf dem Software-Markt? Auf jeden Fall nicht, indem man dem Anwender diverse Bausteine vor die Füße wirft und ihn auffordert, sich zu bedienen und selbst die Lösungen zu erstellen, die er braucht. Diese Meinung vertritt zumindest Roger Burkhardt, Präsident und CEO des Datenbankherstellers Ingres, mit dem wir auf dem Ingres Global Partner Summit 2008 sprechen konnten.
Für Burkhardt liegt der Schlüssel zum Erfolg in integrierten Software-Stacks, die alle Komponenten enthalten, die man zur Implementierung einer Anwendung benötigt. Dann, so Burkhardt, kann Open Source ihre Vorteile ausspielen: die offenen Schnittstellen, die die Integration vereinfachen; die Möglichkeit, als Anbieter den gesamten Software-Stack selbst zu warten und dafür Support aus einer Hand anbieten zu können; und die Möglichkeit für den Anwender, bei Bedarf einzelne Teile des Stacks auszutauschen oder zu ergänzen.
Anbieter proprietärer Software haben es da nicht so einfach: Man kann nicht einfach ein angepasstes Windows, die Oracle-Datenbank und IBMs Application Server Websphere zu einem integrierten Paket schnüren, wie es Ingres in der Icebreaker-Appliance mit Linux, der eigenen Datenbank und Apache Tomcat tut – als Grundlage für Anwendungen wie die BI-Software von JasperSoft oder Alfrescos Content Management System. Für den Anwender bieten solche Komplettlösungen den Vorteil, bei Problemen einen Ansprechpartner zu haben, der für das gesamte System verantwortlich ist, statt sich mit verschiedenen Herstellern herumschlagen zu müssen, die sich womöglich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. In der proprietären Welt hat nur noch Microsoft ein Softwareangebot, das vom Betriebssystem bis zur Business-Applikation reicht.
Speziell Ingres löst damit auch noch ein ganz anderes Problem. Wenn Burkhardt sagt: "Niemand kauft eine Datenbank", bringt er die Sache auf den Punkt: Als Anwender will man sich eigentlich gar nicht mit der Infrastruktur herumschlagen, die unter den Applikationen läuft. Es ist schon Arbeit genug, CMS, Groupware oder CRM-Lösung in die eigene IT-Landschaft einzubinden. Der Unterbau soll bitte einfach funktionieren. Beim Einspielen von Patches möchte man sicher sein, dass auch danach noch das gesamte System funktioniert, und man nicht in eine Zwickmühle gerät, dass der jüngste Sicherheitsfix für die Anwendung ein Betriebssystem-Update benötigt, das für die Datenbank noch nicht zertifiziert ist.
Und noch etwas fällt auf: In der proprietären Welt ergänzen Firmen den eigenen Software-Stack gerne durch Zukäufe – Beispiel Oracle –, während Open-Source-Firmen eher zu Partnerschaften tendieren, wie sie Ingres zum Beispiel mit JasperSoft und Alfresco eingegangen ist (auch wenn es Ausnahmen gibt, siehe etwa die Einkaufstour von Sun). Allerdings sollte man, bevor das zum hehren Prinzip verklärt wird, nicht vergessen, dass Open-Source-Firmen im Allgemeinen nicht über so gut gefüllte Kassen verfügen. Was aber aus Anwendersicht auch seine positiven Seiten hat: Schließlich stammt das Geld, das bei Firmenübernahmen bezahlt wird, letztlich von ihm. (odi)