"Suedlink": Protest bei Tennet-Veranstaltung zu neuer Stromtrasse

Die geplanten Stromtrassen durch Bayern sorgen für Aufregung. Beim "SuedLink"-Projekt setzt der Netzbetreiber auf Dialog und will auf Änderungsvorschläge eingehen. Doch viele Anwohner lehnen die Trasse grundsätzlich ab.

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Von
  • dpa
Zum Thema Energiewende
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Ausstieg aus der Kernenergie, ein Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien, intelligente Stromnetze (Smart Grids), usw.: Die Energiewende, nach der Atomkatatrophe in Fukushima auch von der Union auf den Weg gebracht, hat viele Elemente. Mittlerweile werden nicht alle mit Begeisterung gesehen: BĂĽrger protestieren gegen Windparks und Stromtrassen, wenn sie in ihrer Umgebung gebaut werden sollen. Und selbst in der Politik gibt es Zwist.

Kritiker der geplanten Stromautobahn durch Unterfranken haben bei einer Infoveranstaltung des Netzbetreibers Tennet gegen das Projekt demonstriert. "Wir sehen die Notwendigkeit der Stromtrasse gar nicht", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative A7 Stromtrasse Nein, Sebastian Röder. Tennet stellte das "SuedLink"-Projekt am Dienstag in Wasserlosen (Kreis Schweinfurt) vor und suchte das Gespräch mit Anwohnern. Alle Vorschläge für Änderungen am vorgesehenen Trassenverlauf würden geprüft, kündigte Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens an. "Über das Ob des Netzausbaus können wir aber nicht sprechen – das ist Sache der Politik."

"Suedlink" soll bis 2022 als "Hauptschlagader der Energiewende" mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Ăśbertragung Windstrom von Schleswig-Holstein nach Bayern bringen. In Unterfranken folgt die vorgeschlagene Trasse aus Richtung Fulda kommend der Autobahn 7 und endet in Grafenrheinfeld. BĂĽrgerinitiativen und Kommunalpolitiker machen lautstark Front dagegen.

Die Trassenführung für das Suedlink-Projekt nach den bisherigen Plänen. Innerhalb des eingerahmten Gebiets können Änderungen erfolgen.

(Bild: Tennet)

Tennet will frühzeitig Anregungen sammeln und den Trassenvorschlag überarbeiten. "Was machbar ist, werden wir auch umsetzen", betonte Hörchens. "Das ist für uns sehr wichtig." Mit den geänderten Plänen wolle Tennet dann ins Genehmigungsverfahren gehen.

Kritiker fürchten, dass die Stromtrasse mit bis zu 70 Meter hohen Masten Lebensqualität und Tourismus schaden werde. Bei den Besuchern der Veranstaltung gab es aber auch gemäßigte Stimmen: "Der Strom muss irgendwie von Nord nach Süd gebracht werden", sagte Martin Schlereth aus Greßthal, der nach derzeitiger Planung von dem Projekt betroffen wäre. Er fühle sich gut informiert.

Für Mittwoch und Donnerstag sind weitere "Informationsmärkte" im Landkreis Bad Kissingen geplant. In anderen betroffenen Bundesländern gab es bereits ähnliche Veranstaltungen. Der geplante Ausbau der Stromnetze stößt in vielen Regionen auf Protest. In Bayern sorgte schon die Gleichstromtrasse Süd-Ost des Netzbetreibers Amprion für Wirbel. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) pocht deshalb auf einen Aufschub der Planungen. (jk)