Web Content Management mit Silva an der ETH ZĂĽrich

Auf der Suche nach einem Web Content Management System entschied sich die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich nach Evaluation verschiedener Produkte für die Open-Source-Software Silva in Kombination mit professioneller Dienstleistung.

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Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Dipl.-Ing. Wolfgang Korosec
  • ETH ZĂĽrich
  • Bernd Butscheit
Inhaltsverzeichnis

Anwenderbericht, präsentiert auf der Konferenz "Open Source Meets Business", Nürnberg, 25.-27.1.2006

Bis zum Jahr 2000 existierten an der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) keine verbindlichen Regeln für den Betrieb und die Gestaltung von Websites. Im Zuge des "Digital Goldrush" begannen einzelne Gruppen und Institute, Webauftritte aufzubauen. Leider haben die meisten Pioniere die ETH wieder verlassen und ihre Nachfolger mussten die sehr unterschiedlich gestalteten und betriebenen Websites am Leben erhalten. Um den inhaltlichen und technischen Betrieb der Websites zu vereinfachen und die Möglichkeit zu bieten, zentrale Daten wie Vorlesungsverzeichnis, Forschungsberichte oder Personalinformationen auf einfache Weise in den Webauftritt einzubinden, wurde entschieden, ein Web-Content-Management-System (WCMS) zu evaluieren und universitätsweit einzusetzen.

Projektziel war der Aufbau und die Inbetriebnahme eines unternehmenstauglichen Web Content Management Systems an der ETH inklusive zugehöriger Vorgehensmodelle, Support-Prozesse und Dienstleistungen. Nach einer eingehenden Analyse der am Markt erhältlichen kommerziellen Produkte entschloss man sich, aus Kostengründen, Sicherheitsüberlegungen und juristischen Randbedingungen die Evaluation auf Open-Source Produkte auszudehnen. Die Wahl fiel letztendlich auf Silva, eine Entwicklung der holländischen Firma Infrae, die auf dem Applikationsserver Zope basiert.

FĂĽr Silva sprachen:

  • gute Bedienbarkeit und Benutzeroberfläche
  • Arbeitserleichterung und Fehlervermeidung durch Automatisierung (MenĂĽs, Sitemap, Inhaltsverzeichnisse etc.)
  • Arbeitsersparnis durch einfachere Integration in die zentralen Informationssysteme (Benutzerverwaltung, Vorlesungsverzeichnis, Personendatenbank)

Eines der wichtigsten Kriterien bei der Auswahl war die Verfügbarkeit von kommerziellem Support, dass heißt die Möglichkeit, einer Firma Anpassungs- und Erweiterungsaufträge zu geben, ohne von Eigenentwicklungen oder der Community abhängig zu sein. Dies war beim Open Source Produkt Silva mit der Firma Infrae gewährleistet.

Die ersten Angebote für Projekte mit kommerziellen Produkten lagen bei zirka 0,5 Millionen Franken. Für Anpassungen und Erweiterungen an Silva durch Infrae gab die ETH verteilt auf drei Jahre lediglich zirka 350.000 Franken aus. Dieses Verhältnis bestätigt den erwarteten Spareffekt durch fehlende Lizenzkosten. Auch nach Erfahrungen anderer Firmen und Behörden machen diese zirka ein Drittel der gesamten Projektkosten aus.

Als weiterer kostendämpfender Effekt kommt hinzu, dass die involvierten, typischerweise kleinen, Firmen niedrigere Tagessätze als große Systemanbieter und -integratoren haben. Zusätzlich konnten wir uns mit anderen Silva-Kunden absprechen und die Weiterentwicklungskosten und Dokumentationserstellung aufteilen.

In Zusammenarbeit mit internen Entwicklern und Designern und Infrae wurde das grafische Layout an das Web Corporate Design der ETH angepasst und eine Reihe von Zusatzfunktionen implementiert. Die entwickelten Softwarekomponenten stehen als Open Source auch anderen zur VerfĂĽgung. AuĂźerdem wurden Kontakte zu weiteren Silva-Benutzern aufgebaut, um die Entwicklung abzustimmen und Erfahrungen auszutauschen.