Dresdner Kleinwort Wasserstein: Linux als strategische Plattform
Dresdner Kleinwort Wasserstein setzte schon früh auf Linux. Mittlerweile ist Linux strategische Serverplattform und Open Source generell für die Investmentbank erste Wahl.
- Torsten Kleinz
- Dr. Oliver Diedrich
Die IT-Abteilung von Dresdner Kleinwort Wasserstein begann 1999 mit der Evaluation von Linux. Seitdem ist die Zahl der Linux-Server ständig gestiegen. Seit 2005 ist das freie Betriebssystem auch offiziell die strategische Serverplattform für die Investmentbank. Open-Source-Software wird bei DrKW bisher nur auf der Serverseite eingesetzt.
Im Bankengeschäft müssen zahlreiche Vorgaben präzise erfüllt werden. So stellt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) strenge Anforderungen an den Geschäftsablauf in den Banken: Vorgänge müssen nachweislich korrekt bearbeitet werden. Wie diese Vorgaben umgesetzt werden, ist der IT-Abteilung relativ frei gestellt. Die 32 Mitarbeiter der Abteilung fungieren als Full-Service-Provider für zirka 2.500 Angestellte. Die Anforderungen reichen von der Planung und Bereitstellung der IT-Architektur über Storage und Monitoring bis zum Operating. Um die für das Geschäft notwendige Zuverlässigkeit erbringen zu können, hat sich die IT-Abteilung eigene Richtlinien gegeben.
Die Investmentbank hat keine Berührungsängste, wenn es um den Einsatz von Open-Source-Software in kritischen Bereichen geht. So basiert die Software zur Ermittlung der Limit-Freigaben im Risikokapital-Geschäft komplett auf Open-Source-Produkten. Insgesamt wurden 20 unternehmenskritische Anwendungen auf Linux migriert, 95 Prozent der neuen Projekte basieren auf dem offenen Betriebssystem.
Open Source ist anpassungsfähig
Der Anteil der Inhouse-Entwicklungen ist bei Banken deutlich höher als in anderen Branchen. Um diese Eigenentwicklungen zu einem performanten Gesamtsystem zusammenfügen zu können, benötigt man anpassungsfähige Software.
Die weitgehend standardisierte Softwareentwicklung sorgt auch für einen standardisierten Umgang mit der Software. Entwickler und Administratoren arbeiten bei DrKW daher mit dem gleichen Handwerkszeug: Shell-Befehle, Skripte und Compiler.
Nicht in allen Bereichen sind Open-Source-Lösungen verfügbar. Wenn Software von Drittanbietern eingesetzt werden muss, legt die IT-Abteilung wert darauf, dass sie sich problemlos in das Open-Source-Umfeld integrieren lässt. Dies ist allerdings nur mit Einschränkungen möglich: So unterstützt die Software der Deutschen Börse AG nicht das Betriebssystem Linux.
Die Vorteile der Open-Source-Anwendungen für Dresdner Kleinwort Wasserstein sind:
- deutlich geringere TCO durch geringere Lizenzkosten und preiswerte Hardware
- gestiegene Performance durch den Einsatz von Linux-Servern
- neue Funktionen werden in die Software schneller aufgenommen
- standardisierte Softwareentwicklung sorgt für bessere Integration
- Erfahrungsaustausch mit einer großen Entwicklergemeinde
Dem stehen allerdings auch Nachteile gegenüber:
- der Support ist unklarer geregelt als bei kommerziellen Entwicklungen
- die Dokumentation ist gewöhnungsbedürftig
Cluster spart Geld
Der Umstieg auf Linux-Server hatte ein hohes Einsparpotenzial: Sowohl in der Anschaffung als auch bei den Supportkosten erwiesen sich die neu angeschafften Server von Hewlett-Packard als Kostensparer. So schlägt ein HP-Cluster mit 36 2,2-Gigahertz-Opteron-CPUs und 72 Gigabyte RAM in der Anschaffung mit rund 120.000 Euro zu Buche. Eine Sun E20K mit 36 Sparc-IV-Chips und 72 Gigabyte RAM hingegen liegt bei 1,8 Millionen Euro. Dabei hat der Linux-Cluster etwa die doppelte CPU-Performance des Sun-Modells.
Der Leistungsgewinn macht sich auch bei den Lizenzkosten bezahlt. Bei Datenbanken und Webservern werden die Lizenzkosten oft nach der Anzahl der eingesetzten CPUs berechnet - ergo spart man durch die leistungsfähigeren Opteron-Server bares Geld. Die Unterhaltskosten des Clusters liegen insgesamt bei zirka einem Fünftel des Servers von Sun.
Auch bei den einzelnen Migrationsprojekten lassen sich die Ersparnisse sehen: Bei den Applikationsservern lagen die Ersparnisse zwischen 40 und 60 Prozent der Anschaffungs- und Unterhaltskosten.