Qualcomm-Chip als Baustein fĂĽr die private LTE-Funkzelle

Das Unternehmen hat einen Kombi-Chip entwickelt, der in einem Router nicht nur als WLAN-Access-Point arbeitet, sondern auch die LTE-Funkversorgung im Gebäude verbessert.

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Router, die zusätzlich zum Aufbau der Internet-Verbindung als Femto-Zellen die Mobilfunkversorgung in Gebäuden verbessern, sind konzeptionell nichts neues. Bisher haben solche Router etwa als 3G-Femtozellen nur geringe Verbreitung erlangt. Das könnte die von Qualcomm gefertigte neue Chip-Serie FSM90xx ändern, die für 4G-Femtozellen gedacht ist. Unter anderem Qualcomm selbst hat bereits in der Vergangenheit LTE-Chips für Basisstationen gefertigt (eNode B), namentlich die FSM99er Serie für Enterprise- und Metro-Zellen. Doch die kleinere FSM90er Serie sei nun preiswerter und damit attraktiver für Router-Hersteller, so Qualcomm.

Für ein Mobiltelefon oder Smartphone sehen Femto-Zellen wie gewöhnliche Basisstationen aus. Sie senden jedoch sehr leise und decken so nur wenige Räume eines Gebäudes ab (z. B. mit maximal 100 mW). Anders als übliche Basisstationen nutzen sie jedoch eine Internet-Leitung des Teilnehmers, um darüber eine IPSec-verschlüsselte Übertragung zum Kernnetz des Mobilfunknetzbetreibers zu halten.

Die FSM90xx-Serie versorgt je nach Typ laut Hersteller zwischen vier bis 16 Mobilfunk-Nutzer und ist in 28-Nanometer-Technik gefertigt. Unter anderem habe Qualcomm auf Erfahrung aus der Fertigung von Smartphone-Chips zurückgegriffen, um die Energieaufnahme zu reduzieren. Um Interferenzen zwischen LTE und WLAN zu vermeiden, hätten einige Probleme gelöst werden müssen – Details dazu nannte Qualcomm freilich nicht. WLAN-seitig soll die Serie gemäß den IEEE-Spezifikationen 802.11n und 802.11ac im 2,4- und 5-GHz-Band funken. Details dazu fehlen bisher.

Zwischen Teilnehmer und Mobilnetzbetreiber vermittelt ein Internet-Provider. Das kann auch der Netzbetreiber selbst sein. Die Verbindung zum Kernnetz des Mobilnetzproviders wird ĂĽber einen VPN-Tunnel aufgebaut.

Bemerkenswert erscheint, dass die Chips zwei oder mehr LTE-Träger bündeln können (Carrier Aggregation) und so auch in dieser Hinsicht den großen Basisstationen der Netzbetreiber nacheifern. Auch dazu erklärte Qualcomm zunächst noch nicht, wieviele und welche Bänder aggregiert werden sollen. Die 3GPP-Spezifikation sieht bisher eine Bündelung von maximal 5 Bändern für zusammen 100 MHz vor. Erst kürzlich hatten Nokia und SK Telecom demonstriert, dass sich das Prinzip auf bis zu 10 Bänder und 200 MHz erweitern lässt.

Mobilfunknetzbetreiber möchte der Chip-Hersteller mit seiner UltraSON-Management-Software locken. Diese, so Qualcomm, erlaubt es unter anderem, die Sendeleistung einer einzelnen Femto-Zelle in Abhängigkeit von anderen Zellen in der Nachbarschaft dynamisch zu steuern. So sollen Interferenzen unter den LTE-Zellen selbst reduziert und die Dienstqualität zu Gunsten des gesamten Netzes verbessert werden. Netzbetreiber könnten so den Aufwand für die Netzplanung und Provisionierung senken. Aus Kundensicht erscheint interessant, dass der VPN-Tunnel zum Kernnetz des Mobilfunknetzbetreibers hinsichtlich seiner Kapazität ebenfalls dynamisch angepasst werden kann, und zwar an die Geschwindigkeit der jeweiligen Internet-Leitung.

Wann erste Router mit solchen Chips auf den Markt kommen, ist offen. Erste Muster der Chips soll es aber ab der zweiten Jahreshälfte 2014 geben, die Serienproduktion sei für die zweite Hälfte 2015 geplant. (dz)