Internet der Dinge ohne Stress

Ein US-Start-up will mit einer einfach zu bedienenden Managementplattform Ordnung in das Datenchaos bringen, das vernetzte Geräte erzeugen.

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Von
  • David Talbot

Ein US-Start-up will mit einer einfach zu bedienenden Managementplattform Ordnung in das Datenchaos bringen, das vernetzte Geräte erzeugen.

Das Internet der Dinge ist auf dem Siegeszug – und es hat das Potenzial, künftig viele Millionen kleine und große Komponenten online erreichbar zu machen. Durch die ständig verfügbaren Daten lassen sich dann neuartige Anwendungen entwickeln, seien es nun Systeme zur Produktionsoptimierung in einer Fabrik, Wartungstechnologien in Echtzeit fürs Auto oder Verfahren zum Überwachen des Energiezustands des eigenen Hauses.

Will man die dabei anfallenden Datenmengen zusammenfĂĽhren, wird man jedoch schnell selbst zum Programmierer. Das New Yorker Start-up Bug Labs arbeitet nun an einer Plattform, um die Technik deutlich simplifizieren: Mit einer Software, die das Internet der Dinge so einfach machen soll wie den Besuch einer Website.

Der neueste Dienst von Bug Labs nennt sich Freeboard. Damit soll es möglich sein, Daten jedes am Netz hängenden Geräts mit einem Klick auf einer eigenen Seite im World Wide Web zu publizieren, was die Firma "Dweeting" nennt. Sehen kann man das unter Dweet.io. Besucht man die Internetadresse mit einem Computer oder Mobiltelefon und klickt auf "jetzt ausprobieren", erhält man Rohdaten vom Endgerät selbst – eventuell freigegebene GPS-Koordinaten ebenso wie die aktuelle Position der Computermaus auf dem Bildschirm. Die Daten sind mit einem Klick öffentlich zugänglich gemacht und können dann analysiert und aggregiert werden. Mit einem weiteren Klick schaltet man die Freigabe wieder ab.

Freeboard soll die Datenströme aus dem Internet der Dinge so direkt nutzbar machen. Mit einigen Klicks kann man zudem eine grafische Repräsentation erhalten, etwa für Orte, Temperaturen, Motorgeschwindigkeiten oder die simple Frage, ob ein Gerät gerade an- oder ausgeschaltet ist. "Wir versuchen, das Internet der Dinge einfacher zu machen – und deutlich leichter für jeden zugänglich", sagt Peter Semmelhack, Chef von Bug Labs. Ursprünglich hatte er mit seiner Firma geplant, eine quelloffene modulare Hardware unter die Leute zu bringen, mittlerweile ist daraus eine Softwareplattform geworden.

Freeboard ist dabei noch nicht einmal die weitreichendste Anwendungsplattform für das Internet der Dinge. Konkurrenten gibt es viele, darunter Axeda, Etherios oder OpenRemote. Alle haben sie unterschiedliche Geschäftsmodelle und Komplexitätsstufen. Große Firmen wie General Electric entwickeln zudem ganz eigene Softwaresysteme zur Überwachung von Industrieanlagen.

Das Bug-Labs-System sticht allerdings durch seine schnelle Nutzbarkeit heraus, meint Venkatesh Prasad, technischer Gruppenleiter fĂĽr Fahrzeuggestaltung und "Infotronics" bei Ford Motor. "Freeboard ist die einfachste Plattform."

Prasad selbst hat das beispielsweise mit Autodaten getestet. Dabei nutzte er die Plattform Open XC zum Auslesen. Eine der Anwendungen, die der Ford-Mann entwickelt hat, ist ein Programm, das aus der Aktivität des Scheibenwischers schließt, ob es regnet. Diese Information könnte dann an Fahrzeuge weitergegeben werden, die einige Kilometer vor dem nassen Auto fahren – etwa, um sie vor Aquaplaning zu warnen. "Ich habe das innerhalb von ein paar Minuten hinbekommen und ich programmiere nicht beruflich", sagt er.

Theoretisch könnte jedes Gerät Teil des Internets der Dinge werden. Mittlerweile gibt es kleine Gadgets, die GPS-Koordinaten per Mobilfunk versenden und die man an jedes gewünschte Objekt anbringen kann. Daraus würde über Freeboard dann ein "Dweet Stream" aus Orts- oder anderen Daten. Ein Vater eines der Entwickler bei Bug Labs hat mittlerweile sogar seinen Whiskey-Destillationsapparat vernetzt. Seine Website zeigt nun die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit in Echtzeit mitsamt eines Videobildes. (bsc)