"In den nächsten zehn Jahren kann es soweit sein"
Der Solarpionier Richard Swanson glaubt, dass traditionelle Silizium-Solarzellen fossile Energieträger bald schlagen könnten.
- Kevin Bullis
Der Solarpionier Richard Swanson glaubt, dass traditionelle Silizium-Solarzellen fossile Energieträger bald schlagen könnten.
Die Preise für Solarmodule fielen in den vergangenen Jahren um mehr als 80 Prozent, doch noch immer ist Sonnenstrom teurer als Elektrizität aus fossilen Energieträgern.
Richard Swanson, Gründer des US-Solarkonzerns SunPower, glaubt zu wissen, woran das liegt – und was dagegen zu tun ist. Er hat in fast 30 Jahren bei der Firma viele Sonnenstromtechnologien kommen und gehen gesehen. Im Interview mit Technology Review erläutert Swanson, was notwendig ist, damit Solarenergie zum wichtigsten Energieträger wird.
Technology Review: Herr Swanson, wie weit ist der Solarbereich mittlerweile gekommen, um mit fossilen Energieträgern zu konkurrieren?
Richard Swanson: Wir sind verdammt nah dran. Im Jahr 2000 kam eine großangelegte Studie zu dem Schluss, dass Solarmodule durchaus Kosten von unter einem Dollar pro Watt erreichen könnten – jenen Wert, mit dem die Technik in vielen Märkten wettbewerbsfähig wäre, wie man damals dachte. Damals erklärte man die Autoren noch für verrückt. Mittlerweile unterschreiten wir dieses Kostenziel schon.
Aber es ist leider nicht so, dass es da nur diesen einen Kostenfaktor gibt und dann ist alles okay. Die Werte, die die Sonnenenergie erzielen muss, unterscheiden sich stark und hängen von vielen Faktoren ab – den örtlich vorhandenen Energieträgern, mit denen sie sich in Konkurrenz befindet, die Menge an Sonnenlicht und so weiter. Es gibt geografische Regionen, wo die Technik schon ganz vorne ist. Doch wir müssen die Kosten noch immer mindestens um einen weiteren Faktor zwei senken. Das kann in den nächsten zehn Jahren passieren.
TR: Welche neue Technik werden wir dafĂĽr brauchen?
Swanson: Die Solarmodule machen mittlerweile weniger als die Hälfte der Kosten einer Solaranlage aus. Beispielsweise ist es sehr teuer und zeitintensiv, jede Anlage an das jeweilige Dach anzupassen. Eine bestimmte Anzahl von Panels muss in Reihe angebracht werden und alle die gleiche Sonnenlichtmenge abbekommen können. Einige Installateure automatisieren diesen Prozess mit der Hilfe von Satelliten. Eine der spannendsten Entwicklungen sind auch sogenannte Mikroinverter, also die Elektronik, die den Stromoutput steuert. Mit diesen kann man Solarmodule einfach irgendwo auf dem Dach platzieren, das ist schon fast "Plug & Play".
Zudem sind alle in der Branche ĂĽberrascht, wie gut sich Siliziumzellen behaupten. Die Neuentwicklungen sind hier ziemlich toll. Panasonic, Sharp und SunPower selbst haben gerade neue Zellen angekĂĽndigt, die lange bestehende Wirkungsgradrekorde brechen.
Wir können die Effizienz mit neuen Solarzellenarchitekturen weiter verbessern, wie sie etwa Panasonic nutzt. Es gibt drei grundlegende neue Strukturen und alle drei davon sind kurz vor dem Produktionsstart oder werden bereits produziert. Wir könnten dünnere Siliziumwafer bauen und neue Methoden entwickeln, mit denen sich kristallines Silizium leichter erzeugen lässt. Wir müssen zu randlosen Modulen übergehen, weil die Kosten für die bislang verwendeten Aluminiumrahmen nicht weiter sinken. Und wir sollten die elektrischen Kontakte aus Silber durch billigeres Kupfer ersetzen. Als das sind keine einfach zu lösenden Probleme, aber sie sind stemmbar.
TR: Sind Investitionen in die Forschung nach neuartigen Akkusystemen, die Sonnenstrom effizient speichern können, genauso wichtig wie verbesserte Solarzellen?
Swanson: In der Tat. Nicht nur Akkus, jede Art von Speichersystemen, etwa Wärme. Ein Joker wäre auch die Möglichkeit, Batterien in Elektrofahrzeugen zur Speicherung von Sonnenstrom zu nutzen. Das könnte den Markt radikal umkrempeln.
Die Leute sagen, dass die Akkuindustrie es nie schaffen wird, die dafĂĽr notwendigen Kostenziele zu erreichen. Doch ich komme aus einer Industrie, die solche nicht zu schlagenden Kostenziele in den letzten Jahren einfach weggeblasen hat. Da bin ich mir sicher, dass auch das geht. (bsc)