Unterhaltungselektronik: "Der Fernseher ist alternativlos"
Die gute alte Glotze hat viel neue Konkurrenz bekommen, der Absatz stagniert. Trotzdem ist die Branche zuversichtlich, dass Smartphone und Tablet mehr Segen als Fluch sind. Von neuen Anwendungen erwartet sie ebenso Impulse wie von der IFA im September.
Nach einer Stagnation im Vorjahr ist die Unterhaltungselektronikbranche zuversichtlich, dass es 2014 wieder aufwärts geht. Weltweit seien 5 Prozent Wachstum zu erwarten, sagte Hans-Joachim Kamp vom IFA-Veranstalter GFU (Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik) am Mittwoch in Berlin. Die Branche verdankt dieses Wachstum den Schwellenländern Asiens sowie Afrika und Südamerika, wo Computer und Fernseher für steigende Absatzzahlen sorgen. In Nordamerika und auf den entwickelten asiatischen Märkten zeigt die Absatzkurve hingegen nach unten.
(Bild:Â heise online/vbr)
Auch für Deutschland erwarten die GFU-Marktforscher in diesem Jahr ein mäßiges Wachstum. "Für 2014 erwarten wir ein Plus um knapp ein Prozent und damit eine Umsatzsteigerung für den Gesamtmarkt Consumer Electronics in Deutschland auf über 27 Milliarden Euro", rechnet Kamp vor. Dabei spiele die zunehmende Vernetzung der Unterhaltungselektronik und auch der Haushaltsgeräte eine tragende Rolle. "Für eine positive Entwicklung werden immer wieder neue Anwendungs- und Vernetzungsmöglichkeiten sowie auch neue Produktsegmente geschaffen", sagte Kamp.
Das Arbeitspferd schwächelt etwas
Treibende Kraft sind dabei Spielkonsolen, bei denen die GFU mit einem Absatz von 3,2 Millionen Geräten rechnet, sowie Tablets (Prognose 7 Millionen), Smartphones (Prognose 23,8 Millionen) und E-Book-Reader (Prognose 1,4 Millionen). Impulse soll auch die IFA setzen, die vom 5. bis 10. September in Berlin stattfindet.
Das Arbeitspferd der Branche, der Fernseher, schwächelt hingegen etwas. Die Nachfrage lag im 1. Quartal 2014 leicht unter dem Vorjahreswert. Zur laufenden Fußballweltmeisterschaft sei aber eine deutlich positive Entwicklung zu sehen, heißt es bei der GFU. Für das ganze Jahr rechnet die Branche mit einer "stabilen Nachfrage" von 7,5 Millionen TV-Geräten. Für 2015 erwartet die GFU, dass erstmals mehr Tablets als Fernseher verkauft werden.
Konzept Smart-TV setzt sich langsam durch
(Bild:Â heise online/vbr)
Der Trend geht bei Neuanschaffungen zu größerem Bildschirm und höherer Auflösung. Auch das Konzept Smart-TV setzt sich langsam durch: Laut einer GFU-Untersuchung nutzen 38 Prozent der Haushalte in Deutschland ein Smart-TV, in der Schweiz sind es sogar gut die Hälfte (51 Prozent). Knapp drei Viertel der Smart-TV-Besitzer nutzen Mediatheken, zwei Drittel sind mit dem Fernseher auf YouTube unterwegs und die Hälfte nutzt Video-on-Demand-Angebote. Noch im vergangenen Jahr hatte nur gut die Hälfte der neuen Besitzer eines Smart-TV ihr Gerät überhaupt ans Netz angeschlossen.
Der Fernseher konkurriert inzwischen mit Smartphone, Tablet und Computer, ist als Geräteklasse mit dem größten Display aber weiterhin "alternativlos", sagte Jürgen Boyny von der GFU. Vom Abgesang auf die klassische Unterhaltungselektronik will er aber nichts hören. Smartphones und Tablets seien mehr Segen als Fluch für die Branche. Das Smartphone erfüllt zwar viele Funktionen, für die früher eigene Geräte gekauft wurden. Doch schaffen Smartphones auch neuen Bedarf: Die Nachfrage nach Soundbars, Streaming Audio und Dockingstationen steigt. (vbr)