IFA

Mit kleinen Schritten zum vernetzten Heim

Während sich ein Teil der Unterhaltungselektronikbranche dem Auf und Ab des Fernsehgeräts widmet, werfen andere den Blick auf die Vernetzung von Haus und Mensch. Die Privatsphäre spielt dabei leider keine große Rolle.

vorlesen Druckansicht 45 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Fernsehen war gestern, Vernetzung ist jetzt − ganz so krass wollte Hans Wienands es nicht ausdrücken. Aber dass ein smartes Fernsehgerät nur der erste Schritt zur Heimvernetzung sein kann, machte der Vizepräsident von Samsung Electronics auf einer Veranstaltung von IFA-Ausrichter GFU (Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik) in Berlin schnell deutlich. Das smarte Zuhause sei das nächste große Ding, ist sich Wienands sicher. Und dazu gehörten neben Smartphone, Fernseher oder PC eben auch die Vernetzung von Waschmaschine, Kühlschrank und Hausbeleuchtung.

Für den ZVEI-Vorsitzenden und Samsung-Vizepräsidenten Hans Wienands ist Home Automation das nächste große Ding.

Allerdings können sich die Deutschen unter dem Begriff Smart Home derzeit nur wenig Konkretes vorstellen: Das sei irgendwas zwischen Hausautomationssystemen und Rolladensteuerung, hatte eine Umfrage ergeben. Zwar seien inzwischen 80 Prozent der Deutschen mit dem Internet verbunden, doch das Bedürfnis nach komplexen Installationen sei nur in wenigen Haushalten vorhanden, erklärte Wienands. Man müsse die Verbraucher deshalb dort abholen, wo sie seien: "Wir müssen uns trauen, in kleinen Schritten zu denken", forderte Wienands, der zugleich Vorsitzender des Fachverbands Consumer Electronics im ZVEI ist.

So wolle ein Großteil der Nutzer beispielsweise das Licht im Haus mit Smartphone oder Tablet steuern. Auch eine drahtlose Vernetzung der Waschmaschine, die am Smartphone signalisiert, dass sie mit der Wäsche fertig ist, sei denkbar und wünschenswert. Entscheidend sei jedoch auch dabei eine möglichst niedrige Einstiegshürde ohne aufwendige Installationen.

Noch fehlen allerdings Standards, damit die Geräte hersteller- und systemübergreifend miteinander kommunizieren können. Nicht zuletzt angesichts der demografischen Entwicklung müsse der Alltag durch die Technik einfacher gestaltet werden, ist sich Wienands sicher. Er erinnerte an die Anfänge der Heimvernetzung, den "Clapper": Licht an/aus durch simples Hände-Klatschen sei genau deshalb so erfolgreich gewesen, weil es intuitiv und simpel ist. Hieran müssten sich folgende Systeme messen.

Auf mögliche Sicherheitsbedenken bei der Heimvernetzung ging der Samsung-Chef und ZVEI-Vorsitzende in Berlin nicht ein. Dass Bedenken zum Eingriff in die Privatsphäre bei Home Automation allerdings spätestens seit dem Google-Nest-Deal im Raum stehen, lässt sich nicht von der Hand weisen. Wie viel kritischer die Nutzer diesbezüglich bei ihren Gesundheitsdaten sind, ist Olaf Dörge von Siemens Healthcare klar.

Werden die Daten von Smart-Watches und Fitness-Armbändern künftig in Patientenakten einfließen?

Dörge möchte trotzdem nicht nur die Patientendaten von Krankenhäusern, Fach- und Hausärzten zusammenführen. Ein künftiges Informationsökosystem könne neben der besseren Vernetzung der Ärzte auch Patienten mit Ärzten und untereinander vernetzen. Und dafür beispielsweise auch die Daten von Wearables, also smarten Uhren, Brillen oder Fitnessarmbändern einbinden.

Außerdem könne sich der mündige Patient auf Patientenplattformen über Diagnosen und Behandlungsmethoden austauschen. Und natürlich seien die Daten der Quantified-Self-Bewegung auch für die Forschung interessant, meint Dörge. Wie man dabei die Qualität sicherstellen kann, ist indes umstritten − hier besteht auf Seiten der Ärzteschaft noch arge Bedenken. Dass dabei auch und gerade die Datensicherheit noch viele Fragen aufwirft, räumte Dörge unumwunden ein. (uk)