Ă–ffentliche IT: Trendschau 2014 als Loseblattsammlung

Vom 3D-Drucker über Drohnen bis zum digitalen Nachlass spannen sich die Themen der zweiten Trendschau des Fraunhofer ÖFIT. Die Erkenntnis, dass selbst in der "öffentlichen IT" die Themen schnell veralten, führte zur Auflage einer Loseblattsammlung.

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Von
  • Detlef Borchers

Das Fraunhofer Kompetenzzentrum Öffentliche IT hat in Berlin seine zweite Trendschau veröffentlicht. Wie bei der ersten Ausgabe wurden dafür mehrere tausend Fachaufsätze maschinell ausgewertet. Auf Papier ist aus der neuen Trendschau eine Loseblattsammlung geworden: Die Digitalisierung der Gesellschaft erfolgt in einem Tempo, das zu fortlaufenden Updates erzwingt.

Retro: Die Ă–FIT-Trends gibt es jetzt auch als Loseblattsammlung.

(Bild: Fraunhofer FOKUS)

Wer sich heute aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligt, ist längst nicht mehr als einfacher Internet-Nutzer darstellbar, meinen die Autoren der Trendschau. Da gibt es den Prosumenten, der mit seinem 3D-Drucker nützliche Sachen herstellt. Oder den Daten-Philanthropen, der seine Daten zum Wohle der Allgemeinheit im Zeitalter der Post Privacy ganz im Sinne der datenschutzkritischen Spackeria freigibt, bis es an der Zeit ist, den digitalen Nachlass abzuschließen.

Im Gegensatz zur optimistischen Betrachtung der ersten Trendschau anno 2013 hat die Auswertung der Aufsätze auch Trends ausgemacht, die zum Nachdenken anregen – etwa über die digitalen Gräben, die trotz der weiter wachsenden Netznutzung nur scheinbar überwunden werden. Immer neue Innovationszyklen würden dazu führen, dass die Gräben "zwischen Nutzern und Nonlinern" weiter bestehen und im Sinne gesellschaftlicher Teilhabe am öffentlichen Leben tiefer denn je sind.

Als neuer Problemtrend wird die digitale Unversehrtheit sichtbar, ausgehend vom Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Das in diesem Punkte die Erkenntnisse aus den Snowden-Enthüllungen nicht zu Buche schlagen, könnte damit zusammenhängen, dass das Bundesinnenministerium die Trendschau finanziert. Immerhin hat es die Drohne als Thema der politischen Debatten von 2013/14 geschafft, sich als Trend zu etablieren, zusammen mit der Frage, "Was können und was dürfen Algorithmen selbstständig entscheiden?"

Die neue Trendschau wurde am Ă–FIT in Berlin im Rahmen des 1. Zukunftsdialoges Digitale Gesellschaft vorgestellt und Bundes-CIO Cornelia Rogall-Grothe ĂĽberreicht. Der Zukunftsdialog selbst, Teil des Wissenschaftsjahr 2014 Digitale Gesellschaft, befasste sich mit "Smart Cities" und der Stadt der Zukunft. Weitab von der Aufbruchstimmung der ersten Internet-Jahre, wie sie bei der Internationalen Stadt Berlin oder der Digitalen Stadt Amsterdam zum Ausdruck kamen, wird die Stadt der Zukunft als riesiger Datensilo begriffen, dessen Informationsquellen nutzbar gemacht werden mĂĽssen, vom smarten Haus bis zur smarten MĂĽllabfuhr.

Manfred Hauswirth vom irischen Digital Enterprise Research Institute hielt zu diesem Thema eine Art Antrittsvorlesung. Er wird ab September das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS leiten, unter dessen Dach das Kompetenzzentrum angesiedelt ist. Hauswirth stellte Forschungsansätze wie OpenIoT, CityPulse und Vital vor, die sich alle mit dem Thema Big Data und Smart Cities beschäftigen. Was abseits der Städte passiert, interessiert natürlich auch: Die nächste Folge des Zukunftsdialoges soll sich im September mit dem ländlichen Raum beschäftigen. (vbr)