Internet Engineering Task Force bereitet sich auf Übergabe der Internetverwaltung vor
Die technische Standardisierungsorganisation, für die die IANA die Datenbank für Protokollnummern führt, bekam als erste der "IANA-Kunden" Gelegenheit, über die bevorstehende Übergabe der Internetverwaltung zu diskutieren.
Der Rückzug der US-Regierung aus ihrer Rolle aus Hüterin der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) hat die Internet Engineering Task Force (IETF) auf ihrem Treffen in Toronto beschäftigt. Die technische Standardisierungsorganisation, für die die IANA die Datenbank für Protokollnummern führt, bekam als erste der "IANA-Kunden" Gelegenheit zu einer Aussprache über Vorschläge der IANA Stewardship Transition Coordination Group (IGC). Auch gründete sie eine neue Arbeitsgruppe, um die IANA-Übergabe zu begleiten.
Bis zum 15. September 2015 sollen IANA-Kunden, Regierungen und die Netzgemeinde einen Entwurf zur Zukunft der IANA vorlegen. Die Führung der IETF und des Internet Architecture Board (IAB) sehen keinen Änderungsbedarf für ihr Verhältnis zur IANA beziehungsweise der IANA-Betreiberin ICANN. Mindestens zum Teil schwingt dabei allerdings auch die Sorge mit, dass grundsätzliche Änderungen die Übergabe letztlich verhindern könnten.
Keine neuen Aufsichtsmechanismen
Im März hatte die National Telecommunications und Information Administration (NTIA) ihren Rückzug als Aufsicht über die IANA angekündigt. Diese Aufsichtsrolle hatte lange Zeit für reichlich Zündstoff auf internationalen Konferenzen gesorgt. Mit dem angekündigten Rückzug gibt die NTIA insbesondere auch die Überprüfung von Neueinträgen oder Änderungen in der zentralen DNS-Rootzone auf. Genau diese Funktion war zahlreichen Regierungen ein Dorn im Auge.
Die 30-köpfige IGC, die vergangene Woche erstmals zusammengetreten war, sei sich weitgehend einig, dass bei der Übergabe lediglich Lücken gefüllt werden, die die NTIA hinterlasse, versicherte Alissa Cooper in Toronto. Sie vertritt die die IETF in der IGC, die die Stellungnahmen der verschiedenen Organisationen und Regierungen sammelt.
Neue Aufsichtsmechanismen sollen dagegen nicht geschaffen werden. Dafür dürfte, selbst wenn nicht alle Regierungen einverstanden sind, letztlich die Eile sorgen, in der der Vorschlag für die NTIA fertig werden muss. Einhalten wollen den auch die Regierungen, die gerne mehr Veränderungen hätten. Platzt der Termin und die NTIA muss ihren Vertrag mit der ICANN verlängern, könnte die Chance für den Rückzug der NTIA vertan sein.
IETF nur am Rande betroffen?
So wenig Veränderung wie möglich, lautet auch der Vorschlag von IAB- und IETF-Spitze. Das heißt auch, dass die IETF den IANA-Betrieb durch die ICANN befürwortet. IETF-Chef Jari Arkko sieht seine Organisation in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Während für die ICANN als aktueller und möglicherweise künftiger IANA-Betreiber einiges auf dem Spiel steht, sind IETF ebenso wie die IP-Adressregistries lediglich als "IANA-Kunden" betroffen.
"Wir haben keinen Vertrag mit der NTIA", erinnerte auch der IAB-Vorsitzende Russ Housley. Beaufsichtigt haben sich die Standardisierer immer selbst. Geht mit der ICANN etwas schief, kann die Protokollregistry vertragsgemäß jederzeit umziehen, wie Arkko versichert.
Nicht alle IETF-Teilnehmer sind überzeugt, dass es so einfach ist. Einerseits gibt es Reibungspunkte zwischen IETF und ICANN, etwa im Bereich der Sonder-TLDs – Adresszonen die die IETF selbst vergibt, wie .local. Wer entscheidet künftig im Streitfall, wenn die IETF eine TLD vergeben will? Oder, wen kann jemand jenseits der IETF anrufen, wenn er eine Beschwerde gegen die Vergabe einer Protokolladresse hat. Schließlich könnte der genaue Blick auf die existierenden Aufgaben und Verfahren hier und da ergeben, dass diese eher historisch gewachsen und dem Vertrauen der Ur-Internetgemeinde entsprungen als juristisch wasserfest sind.
Vor allem aber mahnen einzelne langjährige IETF-Teilnehmer auch, dass die Verschiebungen im Gesamtsystem nicht ohne Einfluss auf die IETF bleiben können. Ein einfaches "Weiter So" reiche daher vielleicht letztlich doch nicht aus. (anw)