Buchtipp: Faszination Sportfotografie
"Wie Sie Sportfotos machen, ĂĽber die man spricht", so lautet der Untertitel dieses Buches zur Sportfotografie. Das "Wie" sorgt allerdings beim Leser schnell fĂĽr ErnĂĽchterung, handelt es sich doch um ein konstenintensives, von Profis dominiertes Metier.
von Jörg Walther (Text) und Laci Perényi (Fotografie)
Bilder, die die Dynamik des Sports einfangen, faszinieren und sind das Betätigungsfeld vieler Berufsfotografen. Jedes Wochenende belagern ganze Hundertschaften die weltweiten Sportstätten. Vom Schwimmstadion bis zur BMX-Strecke werden dabei tausende von Bildern geschossen, jedoch schaffen es die wenigsten in die Medien.
Dies ist auch einer der Ansatzpunkte von Jörg Walther, der schon am Anfang alle Ambitionen, mit Sportfotografie sein Geld zu verdienen, dämpft – handelt es sich doch um ein Betätigungsfeld für Profis, das mit der Amateurfotografie wenig bis keine Schnittstellen aufweist. Für Hobbyfotografen ist es praktisch unmöglich, eine Akkreditierung für ein großes Sportevent zu erhalten. Somit ist Walthers Buch weniger als Einstieg in die Berufswelt der Sportfotografen zu sehen, sondern liefert vielmehr einen Einblick in deren Betätigungsfeld. Hierzu gibt der Autor einen Überblick über die benutzte Technik (Profi-Kameras und -Objektive) und Ratschläge zu deren Verwendung. Diese beschränken sich weitgehend auf offensichtliche Tatsachen, dass zum Beispiel beim Hallensport hohe ISO-Zahlen und dementsprechend nutzbares Equipment von Nöten ist oder aber eine hohe Serienbildgeschwindigkeit die Anzahl der letztlich brauchbaren Bilder erhöht.
Beim Thema Bildgestaltung lässt Walther auch Berufsfotografen zu Wort kommen, die ihr persönliches Lieblingsbild präsentieren und dessen Entstehung beschreiben. Ohnehin ist das Buch gespickt mit zahlreichen hochwertigen Sportaufnahmen, deren Bildunterschriften das verwendete Equipment und die Belichtungseinstellungen enthalten.
Mehr als die Hälfte des Buches widmet sich allerdings den Besonderheiten einzelner Sportarten und gibt Empfehlungen für das Verhalten auf der Sportstätte und für die Wahl des geeigneten Standorts (bei Profiveranstaltungen meist obsolet). Dabei scheut sich der Autor auch nicht vor – in unseren Breiten seltenen – Sportarten wie American Football, Baseball, aber auch Rodeo und Kamelrennen. In dieser Hinsicht liefert das Buch einen umfassenden Überblick und liefert gute Tipps für gelungene Bilder.
Die letzten beiden Kapitel widmet der Autor der Ablichtung weiblicher Eleganz im Sport und der Bildnachbearbeitung. Gerade letzteres hat man, sofern man schon einmal ein Buch zur digitalen Fotografie zur Hand genommen hat, schon mehrfach und teilweise ausführlicher gelesen. Das eine JPEG-Komprimierung zu Detailverlusten führt und Bewegungsunschärfe Dynamik ins Bild bringt, ist nicht neu und schon gar kein Sonderfall der Sportfotografie.
Jörg Walther gibt einen soliden Überblick über das breite Arbeitsfeld der Sportfotografie und liefert besonders mit der systematischen Betrachtung einzelner Sportarten gute Hinweise auf lohnenswerte Motive. Die Beispielbilder sind dabei gut gewählt, hinterlassen beim Leser aber die Ernüchterung, in den meisten Fällen nicht mal in die Nähe des jeweiligen Kamerastandpunkts zu kommen. So bleibt das Buch auch ein nettes Nachschlagewerk für Fotografen im sportlichen Amateurbereich, Profis bietet es wenig.
(tho)
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Düsseldorf 2009 Data Becker 320 Seiten 39,95 € ISBN 978-3-8158-2688-1 |