Mingle: Planungssoftware für agile Projekte

Planungswerkzeuge neigen zur Fettsucht. Das Projektmanagementwerkzeug Mingle hingegen ist schlank und rank.

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Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Christian Weiss
  • Guido Zockoll
  • Jürgen Diercks
Inhaltsverzeichnis

Herkömmliche Projektmanagementsysteme geben sich häufig etwas behäbig und unflexibel. Mingle versucht sich als schlanke und agile Variante und bringt als Planungswerkzeug die altbewährte Karteikarte ins Spiel.

Es gibt zahlreiche Werkzeuge für die Planung und Kontrolle von Projekten. Trotzdem können Microsofts altgediente Produkte Project und Excel wohl immer noch die meisten Einsätze vorweisen. Die Vorgaben für ein flexibles Projektmanagement, neuerdings gern mit dem Universalbegriff „agil‟ versehen, erfüllen diese Programme jedoch nicht, denn hier sind schlanke Konzepte gefragt und keine riesigen Gantt-Diagramme. Mit kurzen Zyklen, im Fachjargon Iterationen oder Sprints, wechselnden Prioritäten und Anforderungen kommen die konventionellen Vertreter der Zunft nicht zurecht. Bislang eignen sich für solche Zwecke nur wenige Tools wie XPlanner und XPWeb. Leider geben auch die sich ein wenig gehemmt: Sie arbeiten ausschließlich mit einer festgelegten Terminologie und kooperieren nur mit bestimmten Vorgehensmodellen wie XP oder Scrum (siehe Onlinequellen).

Das übersichtliche und eingängige Karteikartensystem ist Mingles wichtigstes Projektplanungswerkzeug (Abb. 1).

Mingle von Thoughtworks, dessen erste Version im Sommer 2006 erschien, sucht neue Wege. Statt Aufgaben in langen Listen zu verwalten, dient hier die Karteikarte als zentrales Planungswerkzeug (siehe Abbildung 1). Die komfortable Webanwendung stellt allen Beteiligten über eine Ajax-Oberfläche sämtliche Projektinformationen gesammelt an einem Ort zur Verfügung. Allen Beteiligten wird etwas geboten: Der Projektleiter kann den Fortschritt des Vorhabens kontrollieren, der Entwickler darf sich den Sourcecode ansehen, Kunden und Anwender erfassen ihre Anforderungen und können sich über das Projekt informieren. Als besondere Stärke wirft das Tool seine Anpassungsfähigkeit an beliebige Vorgehensmodelle in die Waagschale.

In vielen agilen Projekten planen die Teams ihre Aufgaben mit konventionellen Karteikarten aus Papier (zum Beispiel Task Cards in XP oder Backlog Items in Scrum). Sie werden üblicherweise nach bestimmten Merkmalen an eine Planungswand gepinnt und nach Bedarf im Projektverlauf für verschiedene Zwecke umsortiert. Teams, die sich im selben Raum aufhalten, können nach dieser Methode hervorragend arbeiten. Das Berichtswesen nach außen gestaltet sich allerdings schwierig, für verteilt organisierte Projektgruppen eignet sich das traditionelle Verfahren daher nicht.