Britische Polizei kapert Banner auf Piratenseiten

Eine Anti-Piraterie-Einheit der Londoner Polizei will Webseiten, die Copyright-Verstöße im großen Stil unterstützen, den Geldhahn abdrehen und Nutzer vor den drohenden Urheberrechtsverletzungen warnen.

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Die Londoner Polizei will Websites, die zum Beispiel die Urheberrechte Dritter verletzen, Werbeeinnahmen entziehen und Nutzern Warnhinweise servieren. Laut einem Bericht der BBC soll Werbung auf "Piraterieseiten" künftig durch Hinweise der Ordnungshüter ersetzt werden, dass die Website der Polizei gemeldet worden sei - und der Nutzer jetzt besser das Browserfenster schließen sollte.

So könnten die gekaperten Werbebanner bei den Urheberrechtssündern aussehen.

(Bild: Pipcu)

Hinter der Initiative steht die Police Intellectual Property Crime Unit (PIPCU) der City of London. Diese führt auf Basis von Meldungen von Rechteinhabern eine schwarze Liste mit Webauftritten, die angeblich massive Urheberrechtsverletzungen erlauben. Die Polizei kooperiert dabei mit dem "Project Sunblock", das ein Verfahren zur Vermeidung von Werbeeinblendungen auf unerwünschten Seiten entwickelt hat – zum Beispiel für Markeninhaber, die nicht auf Pornoseiten werden wollen. Mit der Technik werden auf den ausgewählten Seiten die unbezahlten Botschaften der Polizei statt der eigentlich gebuchten Werbung angezeigt.

PIPCU-Chefinspektor Andy Fyfe bezeichnete das ungewöhnliche Vorgehen als weiteren Schritt in den Bemühungen der Einheit, Verstöße gegen immaterielle Güter zu bekämpfen und die Profite der Kriminellen zu schmälern. Britische Gerichte haben Provider zwar bereits dazu verdonnert, rund 50 Webseiten wegen Urheberrechtsverletzungen komplett zu blockieren. Da die Sperren aber vergleichsweise einfach zu umgehen sind, experimentiert die Polizei nun mit dem zusätzlichen Ansatz des Kaperns von Bannern.

Als Beispiel lieferten die Londoner Strafverfolger einen Screenshot des unautorisierten MP3-Angebots full-albums.net mit, auf dem die Warnungen zu sehen sind. Bei Tests hierzulande liefen dort aber übliche Banner. Bloggern von Torrentfreak wurde sogar Werbung von Filesharing-Anbietern wie BearShare angezeigt, die mittlerweile mit der Musikindustrie kooperieren und legale Inhalte zum Download anbieten. Kritiker warnen davor, dass mit dem "Bannertausch" auch Einnahmen legitimer Projekte unterbunden werden könnten. (axk)