Zeit ist keine Illusion

Der prominente theoretische Physiker Lee Smolin will mit der Mainstream-These seiner Kollegen aufräumen, dass Zeit eine Illusion sei.

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Von
  • Jens Lubbadeh

Der prominente theoretische Physiker Lee Smolin will mit der Mainstream-These seiner Kollegen aufräumen, dass Zeit eine Illusion sei.

Stephen Hawkings Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ war ein Meilenstein. Ich habe zwar nicht alles verstanden, aber genug, um fasziniert zu sein. Seither habe ich selten ein ähnlich positives Urteil über ein populärwissenschaftliches Physikbuch fällen können. Selbst ohne Formeln – an Hawkings Regel halten sich inzwischen so gut wie alle – sind sie oft zu langatmig und abstrakt. Vielleicht ist das dem Spagat geschuldet, für Laien und Physiker gleichermaßen ansprechend zu sein.

Daran krankt leider auch Lee Smolins Buch „Im Universum der Zeit“. Der prominente theoretische Physiker will mit der Mainstream-These seiner Kollegen aufräumen, dass Zeit eine Illusion sei. Ihr zufolge geben die Naturgesetze genau vor, wie sich die Atome neu ordnen – und damit auch, wie die Zukunft aus der Gegenwart folgt.

Smolin nimmt diese These auseinander. Für ihn folgt aus der Gegenthese „Zeit ist real“, dass auch Naturgesetze einer Art Evolution unterliegen: Universen pflanzen sich über Schwarze Löcher fort, und in jedem neuen Universum sind – Mutationen gleich – die Naturgesetze etwas anders. Doch diese spannende Weltsicht, für die er durchaus schöne Alltagsanalogien hat, geht leider in den weitschweifigen und trockenen Ausführungen unter. Das ist schade, ich würde mich gern wieder faszinieren lassen.

LEE SMOLIN: „IM UNIVERSUM DER ZEIT“, DVA, 2014, 416 SEITEN, 24,99 EURO (jlu)