4W

Was wirklich wahr war, bei Spion & Spion

Lauter Schlapphüte tummelten sich im zweiten Teil des Sommerrätsels. Dessen Denkaufgaben wurden nicht alle so einfach gelöst – trotz Googles Bildersuche.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Hal Faber

Wieder einmal ist es an der Zeit, die Denkaufgaben des Sommerrätsels aufzulösen und die Bildersuche von Google zu verfluchen. Aber halt, nicht alle Rätsel wurden so einfach gelöst wie in der Frage 2, als ein Bild auftauchte, das man auch auf Cryptocomb finden konnte. Es zeigt den in Deutschland zur Persona Non Grata erklärten CIA-Offizier Ralph Goff in der Richard-Sorge-Straße. Gesucht und schnell gefunden war damit der deutsche Meisterspion Richard Sorge, der im Oktober 1941 die Sowjetunion davon unterrichtete, dass Japan nicht angreifen wird. Damit konnten Stalins Militärtaktiker im II. Weltkrieg die Kräfte zur Westfront gegen die Deutsche Wehrmacht schicken.

Aber Frage 1? Hier ist sie im Volltext. So sah Spionage in den Vorkriegsjahren des I. Weltkriegs aus:

Das Bureau war kriminalistisch modern organisiert, jeder geheime Besucher wurde im Profil und en Face fotografiert, ohne dass er davon wusste, denn in zwei Gemälden, die an der Wand hingen, waren Öffnungen für die Linsen fotografischer Apparate eingeschnitten, die vom Nebenzimmer aus bedient wurden. Ebenso konnten von jedem Besucher Fingerabdrucke hergestellt werden, ohne dass er es ahnte: Der Offizier telefonierte und reichte mit der einen Hand dem Besucher oder der Besucherin Zigarettenschachtel oder Bonbonniere hin, die mit Mennige bestreut waren. Auch Feuerzeug oder Aschenbecher, die der Besucher zu sich herziehen musste, waren derart präpariert. Lehnte der Besucher sowohl Bonbons wie Zigarren ab, so ließ sich der amtierende Beamte aus dem Zimmer abrufen – neigte der Gast zu Spionage, so nahm er gewiss den Akt zur Hand, der auf dem Tisch vorbereitet lag und mit dem Vermerk "Geheim! Für reservate Einsichtnahme!" versehen war. Auch dieses Dokument war mit Seidenpulver bestreut. In einem Kästchen an der Wand, das man wohl für eine Hausapotheke halten mochte, war ein Schallrohr eingebaut, das für den Stenografen im Nebenzimmer als Horchapparat dienen, aber auch den metallenen Stift in Bewegung setzen konnte, der das Gespräch wortgetreu in eine Grammophonplatte einritze.

Jeder Fan des rasenden Reporters Egon Erwin Kisch kennt diese Zeilen über den österreichischen Geheimdienst namens "Evidenz-Bureau", denn die Spionage-Affäre um den Generalstabschefs Alfred Redl gehörte zu den Anfängen des investigativen Journalismus. Frage 1 suchte also Alfred Redl und den bis heute nicht gelösten Verdacht, Redl habe sich in Prag absichtlich als prunksüchtiger Homosexueller ausgegeben, um als russischer Doppelagent hinter die Linien zu kommen. Dort soll er Nachrichten aufgespürt haben, nach denen der Thronfolger Franz-Ferdinand einen Krieg plante.

Auch Frage 3 suchte einen Mann, der erst vor wenigen Jahren rehabilitiert werden konnte. Otto John war der erste Präsident des Verfassungsschutzes. Er wurde in die DDR entführt und konnte mit Hilfe des dänischen Journalisten Henrik Bonde-Henriksen fliehen. In der BRD wurde er für sein Auftreten in der DDR verurteilt; seine Rehabilitation erfolgte erst im Jahre 2009.

Frage 4 suchte nach der Operation FOOT, der Massenausweisung von 105 "Sowjetspionen". Sie erfolgte, weil ein Moskauer Koordinationskomitee unter anderem Anweisungen gab, die britische Computerindustrie auszuspionieren, die seinerzeit für die Sowjetunion von einiger Bedeutung war. Natürlich wurde diese Frage von Heise-Lesern am schnellsten gelöst.

Frage 5 suchte die Mata Haris von Brüssel, von denen jedoch nur Ursel Lorenzen gefunden wurde. Die ebenfalls der ostdeutchen Staatssicherheit zuarbeitenden Ingrid Garbe und Imelda Verrept wurden nicht erraten. Sie sind in Vergessenheit geraten, während andere HVA-Mitarbeiter wie Topas heute Hochkonjunktur haben.

Frage 6 war technisch orientiert und wurde dementsprechend schnell gelöst: Léon Theremin baute nicht nur ein wunderbares Musikinstrument, sondern eben auch das "Ding", das heute als RFID-Vorläufer gilt.

Frage 7 bezieht sich auf eine Zeit, als Westdeutsche begannen, an die bulgarischen Strände zu fahren, auch die Bediensteten des Verfassungsschutzes, der hier seine Mitarbeiter zu warnen versucht.

Vorsicht an bulgarischen Stränden

Frage 8 suchte den einzigen Leiter dieses Dienstes, der nicht Sperenzchen machte und eine Karriere vom einfachen Polizisten zum Chef eines Amtes durchlief Gerhard Boeden, "der Polizist".

Frage 9 suchte das ebenfalls schnell gefundene Double Cross-System der britischen Spionage-Abwehr im zweiten Weltkrieg. Hier verkauften britische Spione gefälschte Nachrichten an die deutschen Dienste. Mit diesen Fake-Nachrichten verdiente der Dienst MI5 soviel Geld, dass er davon Autos kaufte, die den Namen "Müller" bekamen, in Erinnerung an den deutschen Spion Karl Müller, der 1916 hingerichtet wurde.

Frage 10 fragte, worauf das Foto des "Super(grundrechts)man" Friedrich hinweist. Vielleicht war der Ausschnitt zu klein gewählt, doch die vielen Fahnen und Sprüche, die sonst noch im Spätsommer zu sehen waren, sollten auf die Großdemo Freiheit statt Angst hinweisen, die am Ende dieses langen Sommers Mut machen soll für den Winter. Aber halt, noch gibt es ein Sommerrätsel. Nach Kunstware und Spyware kommt die Hackware dran. Zu raten sind Hacks und Hacker. Wie war das noch?

Computer können dein Leben zum Besseren verändern.

Wie gesagt: können. Das funktioniert natürlich nur, wenn man in der Lage ist, dem Computer Strukturen vorzugeben, die diese Tendenz zum Besseren bereits beinhalten. Wenn diese Strukturen fehlen, kann auch der Computer nicht helfen. (anw)