Innenräume fotografieren: Der Raum

Das Motiv ist im Prinzip gefunden, die gewünschte Bildaussage geklärt, aber die räumliche Wirkung des Bildes entspricht einfach nicht dem, was der Fotograf sich vorgestellt hat. Einige grundlegende Kenntnisse und praktische Tipps zur Darstellung von Räumen helfen hier weiter.

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Lesezeit: 10 Min.
Von
  • Adrian Schulz
Inhaltsverzeichnis

Da man in der Innenraumfotografie nicht von außen ein Objekt fotografiert, sondern sich selbst innerhalb des darzustellenden Raumes aufhält, ergibt sich eine besondere Problematik: Die möglichen Standorte für Aufnahmen sind im Vergleich zum Außenbereich verhältnismäßig stark eingeschränkt. Eine halbwegs realistische Raumwiedergabe kann man meist nur erreichen, wenn man sich mit dem Rücken an eine Wand stellt oder Durchgänge nutzt, um den Abstand so groß wie möglich zu bekommen.

Die Zentralperspektive erzeugt eine ruhige, klare Bildwirkung (17 mm KB-äqivalent).

(Bild: Adrian Schulz)

Um die zumeist rechteckigen oder quadratischen Innenräume wiederzugeben, kann man zwischen zwei Perspektiven wählen: In der Zentralperspektive stellt sich der Fotograf wie im Bild links ungefähr auf die Mittelachse des Raumes und fotografiert in Richtung der gegenüberliegenden Rückwand, was in diesem Fall senkrecht auf die Front des würfelförmigen Raumobjekts bedeutete. Das Bild wird auf diese Weise in der Tiefe durch eine Ebene begrenzt, die parallel zur Film oder Sensorebene steht und daher keine fluchtenden Linien Kanten aufweist. Eine solche Darstellung wirkt gerade bei kleineren Räumen mit geringer Tiefe sehr aufgeräumt, aber auch wenig dynamisch.

In der Zweipunktperspektive wirkt derselbe Raum dynamisch (17 mm KB-äqivalent).

(Bild: Adrian Schulz)

Im Gegensatz dazu fotografiert man beim Einsatz der Zweipunktperspektive in einem schrägen Winkel beziehungsweise diagonal durch den Raum. Das bedeutet, alle nicht vertikalen Raumkanten fluchten auf imaginäre Punkte auf dem meistens nicht sichtbaren Horizont – alle in der Realität waagerechten Linien führen also generell auch in die Tiefe. Wie im Bild rechts entsteht bei solchen Aufnahmen dadurch eine größere räumliche Tiefe und das Bild wirkt dynamischer als in der Zentralperspektive. Manchmal ist eine solche Darstellung allerdings auch zu dramatisch oder führt bei sehr schlanken Räumen zu einem unausgewogenen Bildaufbau. Vergleicht man bei derselben Brennweite aufgenommene Räume, so erscheint ein Raum umso voluminöser, je tiefer er ist, da mit zunehmender Tiefe die nach hinten führenden Linien bildbestimmender werden und die Rückwand immer kleiner abgebildet wird. Besonders bei sehr weiten Räumen oder Hallen mit großer Tiefe führen die im Bild stark fluchtenden Raumkanten der Seitenwände zu einer dynamischen Darstellung. Dies gilt ganz besonders bei einem seitengleich gebauten Raum und einem exakt symmetrischen Bildaufbau.

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