Weltweit verteilte Entwicklung von Open-Source-Software
Hinter einer Vielzahl an Open-Source-Programmen stehen engagierte Individualisten. Größere Projekte erfordern jedoch Entwicklergruppen, teils frei organisiert, teils in Unternehmen. Sind diese Mitwirkenden über den ganzen Erdball verteilt, gilt es, Herausforderungen besonderer Natur zu meistern. Die hierfür gefundenen Ansätze können auch Unternehmen bei der Durchführung ihrer Closed-Source-Projekte helfen.
- Frank MĂĽller
Hinter einer Vielzahl an Open-Source-Programmen stehen engagierte Individualisten. Größere Projekte erfordern jedoch Entwicklergruppen, teils frei organisiert, teils in Unternehmen. Sind diese Mitwirkenden über den ganzen Erdball verteilt, gilt es, Herausforderungen besonderer Natur zu meistern. Die hierfür gefundenen Ansätze können auch Unternehmen bei der Durchführung ihrer Closed-Source-Projekte helfen.
Die kommerzielle Realisierung von Softwareprojekten ist in der Regel durch die Konzentration von Mitarbeitern an einem oder mehreren Standorten eines Unternehmens geprägt. Dementsprechend richten sich die Prozesse und Werkzeuge an einer direkten und unmittelbaren Kommunikation der Mitarbeiter miteinander aus. Mit nur einem Standort funktioniert das problemlos. Eine Zusammenarbeit über mehrere Standorte hinweg erweist sich hingegen vielfach als schwieriger. Nicht alle Werkzeuge erlauben einen reibungslosen Mix aus unabhängigem und dennoch gemeinsamem Arbeiten. Die Distanz erschwert die Kommunikation, da eine direkte Ansprache oder gemeinsame Meetings nicht ohne Weiteres möglich sind. Und die individuellen Prozesse an den Standorten lassen sich nicht immer leicht miteinander vereinbaren, harmonisieren oder durch einen übergreifenden ersetzen.
Diese Herausforderungen sind für die Communitys der Open-Source-Projekte oder Unternehmen mit dem Home Office als primärer Arbeitsstätte hingegen Alltag. Für Erstere stellt sich die Frage nach einem gemeinsamen Arbeitsort gar nicht erst, Letztere setzen die Hindernisse mit den geeigneten Mitteln hingegen noch in Vorteile um. Wie zeigen sich diese und mit welchen Maßnahmen werden sie erreicht?
Eine erste Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung eines Projekts ist eine optimale Teambesetzung. Neben den üblichen sozialen Aspekten sind die fachliche Qualifikation und die Begeisterung der Mitglieder für die Aufgabe wichtig. Oftmals erweist sich dieses beschränkt auf nur einem Standort als schwer. Die so vakanten Stellen zu besetzen bedeutet die zumindest temporäre Versetzung von Mitarbeitern aus anderen Standorten oder entsprechende Neueinstellungen. Und auch hierfür sind die entsprechenden Kräfte nicht immer lokal vor Ort ansässig. Somit ist eine regionale Besetzung eines Projekts nicht immer optimal und kann seine Zeit kosten. Ein Verzicht auf eine lokale Bündelung erlaubt hingegen die Bildung virtueller Teams passend zur Aufgabenstellung. Mit dem Reiz der Beteiligung an interessanten und großen Projekten ist die Chance auf eine optimale Zusammenstellung sowohl bezüglich der Fähigkeiten als auch der Motivation hoch.
Schön ist’s im Home Office
Die Standorte der IT-Unternehmen befinden sich aus vielfältigen Gründen vielfach in größeren Städten. Hier haben sie Vorteile in der Verkehrsanbindung ebenso wie in der TK-Infrastruktur. Daneben fällt hier die Rekrutierung neuer Mitarbeiter leichter. Der Nachteil sind jedoch nicht unerhebliche Kosten für Immobilien und Infrastruktur. Eine Begrenzung der eigenen Büroflächen auf zentrale Bereiche wie Personal, Finanzen oder Marketing hilft, diese Kosten zu reduzieren. Die individuellen Mitarbeiter im Home Office nutzen hingegen ihre eigene Infrastruktur, was jedoch durch ein entsprechendes Gehaltsniveau unkompliziert auszugleichen ist.
Auch aus Sicht des Mitarbeiters ist die Arbeit in den eigenen Räumen vorteilhaft. Der eigene Arbeitsplatz lässt sich freier nach den persönlichen Vorlieben gestalten, ebenso der Tagesablauf und die Rahmenbedingungen bei der Arbeit. Stetige Umzüge im Rahmen von Reorganisationen, überfüllte Büros und Kompromisse in den Rahmenbedingungen wie Temperatur, geöffnete Fenster oder Musik am Arbeitsplatz gehören damit der Vergangenheit an. Zudem ist die Arbeit nicht auf nur einen Raum beschränkt. Durch den Einsatz von Notebook und WLAN kann locker zwischen Arbeitszimmer, Esszimmertisch, Couch oder im Sommer der Terrasse gewählt werden. Auch der Gang ins Café oder der Besuch von Kollegen im gleichen Ort sind möglich.
Schön ist die Anwesenheit zu Hause auch bei jungen Familien. Der arbeitende Teil der Familie verpasst hier leider normalerweise große Teile des täglichen Lebens. Die Arbeit im Home Office ermöglicht hingegen verschiedene gemeinsame Zeiten, wie das Mittagessen, eine Unterstützung bei den Hausaufgaben oder der Bringdienst zum Sportverein. Hier gilt es aber zu bedenken, dass das mit virtuellen Meetings passen muss und Unterbrechungen zeitlich auszugleichen sind.
Zu guter Letzt gewinnen auch Mitarbeiter mit Handicap einen Vorteil aus der Arbeit im eigenen Heim. Ihre Wohnungen sind entsprechend ihrer Einschränkungen eingerichtet, was dem Tagesablauf entgegenkommt. Erfahrungen des Autors zeigen, dass sich Unternehmen mit Heimarbeitsplätzen so weniger schwer mit der Umsetzung des Schwerbehindertenrechts tun als viele traditionelle Unternehmen.