Poesie für Cyber-Utopisten

Der Autor Jeremy Rifkin glaubt an eine Zukunft, in der die Digitalisierung den Kapitalismus an sein Ende bringt.

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Von
  • Robert Thielicke

Der Autor Jeremy Rifkin glaubt an eine Zukunft, in der die Digitalisierung den Kapitalismus an sein Ende bringt.

Es könnte so schön sein: Die Digitalisierung verbilligt Produkte, bis sie fast nichts mehr kosten. Sonne und Wind versorgen uns umsonst mit Energie. Weltweit tauschen Menschen Dinge, statt sie zu besitzen. So sieht Jeremy Rifkin die Zukunft und zieht daraus den Schluss: Der Kapitalismus gelangt an sein Ende.

Leider wird die Vision nie eintreten. Rifkin zeigt sich als Cyber-Utopist. Für ihn löst die Technologie, woran Menschen im vergangenen Jahrhundert gescheitert sind: einen funktionierenden Kommunismus aufzubauen. Aber wie so oft in seinen Büchern verschweigt er Wesentliches.

Erstens: Gegen null gehen höchstens die Grenzkosten, also die reinen Produktionskosten. Teuer sind aber sehr wohl die Anlagen zur Herstellung der Güter, im Fall der Energie die Windräder und Solarmodule. Rifkin geht darauf in Nebensätzen ein, in der eigentlichen Argumentation jedoch blendet er den Aspekt aus.

Zweitens: Selbst wenn nichts mehr Geld kostet, warum sollten Menschen dann Dinge herstellen, die besser sind als andere? Wäre alles Gemeingut, würden die für Rifkins Vision notwendigen Innovationen ausbleiben.

Jeremy Rifkin: "Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft", campus, 525 Seiten, 27 Euro (bsc)