Die entscheidenden Neuronen
Hängen unsere Entscheidungen an ein paar wenigen Neuronen? Und wenn ja, können wir sie manipulieren? Gabriel Kreiman ist auf dem besten Weg, das herauszufinden.
- David Talbot
Hängen unsere Entscheidungen an ein paar wenigen Neuronen? Und wenn ja, können wir sie manipulieren? Gabriel Kreiman ist auf dem besten Weg, das herauszufinden.
Gabriel Kreiman war auf der Suche nach etwas, das noch nie jemand zuvor beobachtet hatte: die neuronale Grundlage des freien Willens. Entscheidet sich ein Mensch zu einem willkürlichen Zeitpunkt, einen Knopf zu drücken – gibt es dann ein einzelnes Neuron, das diese Entscheidung auslöst?
Um das herauszufinden, hätte man Versuchspersonen die Schädeldecke öffnen und mit Elektroden in ihren Gehirnen herumstochern müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit, wie Kreiman, Neurowissenschaftler an der Harvard Medical School in Boston, lange Zeit glaubte. Dann, in den späten Neunzigern, fiel ihm ein Paper von Itzhak Fried in die Hände, Neurochirurg an der University of California in Los Angeles. Dieser suchte nach der Ursache von Epilepsie-Anfällen, indem er Elektroden in die Hirne seiner Patienten einführte. „Bis dahin dachte ich, Elektroden im Hirn wären nur etwas für Ratten und Affen“, sagt der 42-Jährige.
Er nahm Kontakt zu Fried auf, und vor vier Jahren begannen sie ein gemeinsames Experiment mit Kreimans Mentor Christof Koch vom Allen Institute for Brain Science in Seattle. Fried führte mehrere Sonden mit je acht haardünnen Elektroden in die Hirne von zwölf Epilepsie-Patienten ein. Diese hatten der Untersuchung zugestimmt und blieben währenddessen bei Bewusstsein.
(grh)