"Windows wird überflüssig"
"Das Kartellrecht ist so überflüssig, wie es Windows bald sein wird." So kommentiert Jura-Professor Robert A. Levy die bevorstehende erste Urteilsverkündung im Microsoft-Prozeß.
"Das Kartellrecht ist so überflüssig, wie es Windows bald sein wird." So kommentiert der amerikanische Jura-Professor Robert A. Levy die bevorstehende erste Urteilsverkündung im Microsoft-Prozeß. Levy bezweifelt in einem Artikel in der Seattle Times jegliche Relevanz des Antitrust-Verfahrens. Microsoft habe seine Macht verloren, weil Anwendungen längst in jedem Browser ausgeführt werden könnten: Die neue Plattformunabhängigkeit als Garant für den monopolfreien Markt. Kronzeuge der Argumentation ist für Levy Sun-Chef Scott McNealy mit seiner spektakulärer Übernahme von StarDivision. Der geplante Umbau des Office-Pakets zum "freien, internetbasierten Dienst" zeige eindeutig, "dass die Zukunft woanders liegt".
Levy gehört seit langem zu den aktiven Verfechtern eines Marktes ohne staatliche Eingriffe. Er verbreitet seine Thesen über das CATO Institute, eine politikwissenschaftliche Forschungsstelle in Washington. In The Register spekulierte Graham Lea bereits süffisant darüber, ob CATO nicht vielleicht ab und an von Microsoft beschenkt wird. Ebenso könnte man dann mutmaßen, dass Levy obendrein auch ein starker Raucher sei, denn neben neben dem Microsoft-Prozeß beschäftigt er sich besonders gerne mit "Clintons illegalem Angriff auf die Tabak-Industrie".
Im Falle Microsofts zielt Levys Pauschalangriff gegen die "Steuerverschwendung" und die "schmutzige Arbeit" des Justizministeriums heftig daneben. Über Microsofts zweifelhafte Geschäftspraktiken wie zum Beispiel den Umgang mit OEM-Kunden oder auch den aggressiven Umgang mit gerade erst enstehender Konkurrenz verliert er kein Wort. Eine Welt, "die kein Windows mehr braucht", mag in Levis Kopf bereits existieren, faktisch aber ist seine Prämisse der Betriebssytem-Unabhängigkeit nach wie vor eine pure Vision. (hob)