Samwer-Startupschmiede Rocket Internet kündigt Börsengang an
Der Startup-Incubator der umstrittenen Samwer-Brüder geht an die Börse, um seine großen Pläne besser zu kapitalisieren: Rocket Internet will der größte Internetkonzern außerhalb der USA und Chinas werden.
(Bild: dpa, Jens Kalaene)
Rocket Internet geht an die Börse. Das Unternehmen der Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer kündigte am heutigen Mittwoch eine Aktienplatzierung an. Der Börsengang sei noch in diesem Jahr in Frankfurt geplant, teilte Rocket Internet mit. Dabei will Rocket etwa 750 Millionen Euro einnehmen. Die bestehenden Anteilseigner wollen dabei keine Anteile verkaufen, es sollen nur neue Aktien platziert werden.
Rocket Internet war 2007 von den ebenso berühmten wie umstrittenen Brüdern Oliver, Marc und Alexander Samwer gegründet worden und bringt hauptsächlich Startups auf den Weg. Zu den Firmen, die unter dem Dach von Rocket groß geworden sind, zählt auch der Modehändler Zalando, der ebenfalls noch in diesem Jahr an die Börse will. Ein Börsengang von Rocket Internet ist bereits seit längerem für diesen Herbst erwartet worden.
Umstrittenes Geschäftsmodell
Das Geschäftsmodell sah lange Zeit so aus: Rocket Internet dupliziert ein erfolgreiches US-Startup und verkauft es dann im Idealfall an die Firma, die geklont wurde. Die Samwer-Brüder verdienten ihre ersten Millionen unter anderem mit einem eBay-Klon, der dann von eBay aufgekauft und zur Deutschland-Filiale gemacht wurde. Mittlerweile hat sich die Strategie etwas geändert. Rocket Internet will der größte Internetkonzern außerhalb der USA und Chinas werden, wie es in einer kürzlich online gestellten Selbstpräsentation heißt.
Das bekräftigt die Firma nun In der Ankündigung des IPO: "Rockets Ziel ist es, die größte Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas zu werden." Und Rocket Internet lässt das Festhalten an bewährten Vorgehensweisen anklingen: "Rocket nutzt ihre einzigartige operative Plattform, um Online-Verbrauchertrends zu analysieren, bewährte Internetgeschäftsmodelle zu identifizieren und sie auf unterversorgte oder unerschlossene Märkte zu übertragen. Dort strebt Rocket an, diese zu skalieren und zu marktführenden Internetunternehmen auszubauen."
Unterstüzung geholt
In den vergangenen Wochen hatten sich mehrere neue Aktionäre an der Startup-Schmiede beteiligt. Dazu gehört der Internetanbieter United Internet, der sich für 435 Millionen Euro einen Anteil von 10,7 Prozent sicherte. Auf dieser Basis lag die Bewertung von Rocket Internet bei 4,3 Milliarden Euro. Experten zufolge nutzt Rocket den Einstieg von neuen Großaktionären dazu, eine Preismarke für den Börsengang zu setzen.
Den größten Anteil an Rocket Internet halten die Samwer-Brüder über ihren Global Founders Fund mit 53,7 Prozent. Weitere Anteilseigner sind die schwedische Investmentfirma Kinnevik mit 18,5 Prozent und Access Industries des US-Milliardärs Len Blavatnik mit 8,5 Prozent. Der philippinische Telekom-Konzern Philippine Long Distance Telephone Company (PLTD) war kurz vor United eingestiegen und hält 8,6 Prozent. (jk)