Digitale Arbeit: IG Metall sieht Sittenverfall
Führende IG-Metaller sind unzufrieden mit der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Sie berücksichtige nicht die Folgen für die Beschäftigten.
Christiane Benner, in der IG Metall als geschäftsführendes Vorstandsmitglied verantwortlich für die Bereiche ITK und Engineering, sieht in vielen Auftrags- und Vertragsformen der digitalen Arbeit einen Sittenverfall. Besonders seien dabei die allgemeinen Geschäftsbedingungen einiger Crowdsourcing-Plattformen hervorzuheben, sagte sie auf der 6. Engineering- und IT-Tagung von Hans-Böckler-Stiftung und IG Metall.
"Wenn die Plattformen mit Knebel-AGB das Internet zur rechtsfreien Cloud verwandeln, worin sich Arbeitnehmerrechte in Luft auflösen, ist das unakzeptabel und schäbig." Tätigkeiten, die digital über eine Crowdsourcing-Plattform verrichtet würden, müssten genau so bezahlt werden wie in den Unternehmen, in denen es Tarifverträge und Betriebsräte gibt. "Warum soll es kein Mindestentgelt für die Cloud gelten?", sagte Benner.
IG-Metall-Chef Detlef Wetzel kritisierte auf der Tagung die Digitale Agenda, die Anfang September von der Bundesregierung vorgelegt wurde. Sie habe einen "blinden Fleck". "Die Folgen für die Beschäftigten werden nicht berücksichtigt. Wir benötigen zuerst eine fundierte Technikfolgeabschätzung von Digitalisierung und Industrie 4.0 aus der Perspektive der Beschäftigten."
Für Wetzel gelte vor allem zu verhindern, dass sich bereits entstandene prekäre Beschäftigungsverhältnisse ausbreiten. Viele Formen digitaler Arbeit "kennen keine Mindeststandards bei der Bezahlung, der Arbeitszeit oder dem Gesundheitsschutz", sagte Wetzel. Zudem müsse in ein Bildungssystem investiert werden, das lebenslanges Lernen ermögliche, damit die Menschen die fortschreitende Digitalisierung nutzen könnten. "Die Digitalisierung bringt tiefgreifende Veränderungen für die Arbeits- und Lebenswelt mit sich und schafft daher einen erheblichen politischen Handlungs- und Regulierungsbedarf", sagte Wetzel. (anw)