Dual-Celeron-Hype: US-Hersteller nimmt den Mund voll

Lässt sich aus zwei Celeron-Prozessoren Pentium-III-Leistung zum günstigen Preis quetschen?

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Aus zwei Celeron-Prozessoren lässt sich Pentium-III-Leistung zum günstigen Preis quetschen -- das jedenfalls verspricht der US-Hersteller FuturePower. Dabei unterschlägt der ambitionierte Computer-Discounter, der kürzlich von Apple wegen seiner iMac-Kopie verklagt wurde, eine Menge Informationen:

Einerseits profitieren nur sehr wenige Programme überhaupt von einem zweiten Prozessor, manche Treiber arbeiten gar nicht mit zwei CPUs zusammen. Speziell Spiele-Fans werden enttäuscht sein, wenn sie ihren neuen "Millennium-PC" anwerfen: Unter dem mitgelieferten Windows NT 4.0 laufen nur wenige 3D-Action-Games, da hilft dann auch die eingebaute Savage-4-Pro+-Grafikkarte nichts. Allerdings soll das demnächst verfügbare Quake 3 unter dem ebenfalls noch nicht verfügbaren Windows 2000 mit zwei Prozessoren tatsächlich schneller sein. Unter Windows 98 trägt die zweite CPU lediglich zum Stromverbrauch bei.

Als weitere Besonderheit preist FuturePower die Übertaktungs-Fähigkeiten des eingebauten Mainboards BP6 von Abit (getestet in c't 16/99). Speziell die im Kaufpreis von knapp 1900 US-Dollar enthaltenen 466-MHz-Celerons werden sich allerdings kaum von den tollen Multiplikatoreinstellungen im "Soft Menu II" des Abit-Boards beeindrucken lassen: Alle aktuellen Celerons besitzen nämlich fest eingebrannte Multiplikatoren, die sich auch mit viel Aufwand nicht umgehen lassen. Alle anderen Übertaktungs-Tricks führen bei den schnellen Celerons eher zu Abstürzen als zu Mehrleistung.

Eine zweite Variante des Millennium-PC macht da schon mehr Sinn, denn die kommt mit Linux statt Windows daher und soll als Billig-Server in kleinen Netzen werkeln. Doch auch nicht alle Linux-Programme nutzen zwei CPUs, hier wird manchem Käufer der Dual-Celeron-Quark sicherlich sauer aufstoßen.

Dem Prozessorhersteller Intel kann das alles egal sein: Wer mehr als einen Celeron auf einer Platine betreibt oder diese gar übertaktet, verliert jeglichen Garantieanspruch. Ob Intel die Drohung wahrmacht, den aktuellen Celerons die Dual-Fähigkeit grundsätzlich abzuzwacken, ist umstritten - doch Support kann man vom Prozessorgiganten für den Low-Cost-Dual-Rechner nicht erwarten. (ciw)