Spezialchip soll Mobilgeräte ausdauernder machen

Batterien für Computeruhren und andere Wearable-Geräte halten selten lange. Ein neuer Zusatzprozessor einer indischen Firma könnte das ändern.

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  • Tom Simonite

Batterien für Computeruhren und andere Wearable-Geräte halten selten lange. Ein neuer Zusatzprozessor einer indischen Firma könnte das ändern.

Moderne Mobilhardware wie Googles Computerbrille Glass muss man mindestens einmal am Tag laden – selbst wenn man sie nur wenig verwendet. Gleiches gilt für aktuelle Smartwatches. Und auch die meisten Handys werden üblicherweise täglich aufgetankt. Ein neuartiger Chip mit geringem Energiebedarf könnte die Batterielebensdauer solcher Geräte nun deutlich erhöhen. Das hofft zumindest das junge indische Unternehmen Ineda Systems.

Das neue Bauteil soll neben dem Hauptprozessor im Gerät laufen und verschiedene eher simple Funktionen ausführen – dauernd auf Sprachkommandos hören ebenso wie einfache Apps. Das spart Strom und würde es erlauben, dass der Hauptprozessor längere Zeiträume im Schlafmodus verbringen kann.

"Wir haben uns die typischen Einsatzzwecke tragbarer Geräte angesehen und unseren Chip für diese entwickelt", sagt Ajith Dasari, Vice President for Platforms and Customer Engineering bei Ineda. "Rund 90 Prozent der Zeit befindet sich das Nutzergerät im Ambientmodus oder nutzt nur einfache Apps."

Ineda testet derzeit Prototypen zweier Chipdesigns und hofft, im nächsten Jahr in die Massenproduktion einzusteigen. Die Firma wurde 2010 gegründet und hat unter anderem Investitionen vom Chipriesen Qualcomm erhalten, dessen Technik in zahlreichen Smartphones und Tablets steckt. Auch Samsung ist beteiligt.

Der Ineda-Chip verfügt über entweder zwei oder drei Prozessorkerne. Ein Kern hat relativ wenig Rechenleistung und verbraucht geringe Mengen Strom – er läuft daher ständig. Die anderen ein oder zwei Kerne sind leistungsfähiger und werden nur für schwierigere Aufgaben aktiviert. Wenn das auch nicht reicht, weckt der Ineda-Chip den stromhungrigen Hauptprozessor des Geräts auf.

Das komplexeste Chipdesign von Ineda, der Advanced, ist für High-End-Computeruhren gedacht. Der einfachste der drei Kerne kann Aufgaben wie die Überwachung von Bewegungssensoren übernehmen, um Gesten zu erkennen. Außerdem hält er eine Bluetooth-Verbindung zu anderen Geräten und lauscht auf einen Schlüsselbegriff, der das Gerät aufweckt. Kern zwei erwacht für komplexere Aufgaben wie die Wiedergabe von Musik, eine Handvoll Sprachkommandos oder die Nutzung simpler Apps wie Pulstracker. Kern drei ist noch mächtiger und verfügt über eine vollwertige Spracherkennung, die eine Internetverbindung bedingt.

Eine einfachere Variante des Ineda-Chips namens Micro wird ebenfalls getestet und soll bald produziert werden. Er ist für billigere Smartwatches und weniger leistungsfähige Wearbale-Geräte gedacht. Zudem könnte der Chip Smartphones energieeffizienter machen, sagt Dasari.

Handys dürften auch die ersten Geräte sein, in denen die Ineda-Chips auftauchen, weil die Hersteller dort schon seit längerem mit Hilfsprozessoren experimentieren, die Funktionalität und gleichzeitig Batterielaufzeit verbessern sollen. Die jüngsten beiden iPhone-Generation 5 und 6/6 Plus verfügen bereits über einen Co-Prozessor zur Bewegungserfassung. Das Moto X von Motorola nutzt ähnliche Komponenten, die unter anderem andauernd auf den Begriff "OK, Google" lauschen sowie Bewegungen erfassen. Der Ineda-Chip könne allerdings mehr, betont Dasari. "Das Moto X braucht zwei verschiedene Chips, wir erreichen das mit einem."

Tulika Mitra, Juniorprofessorin an der Nationaluniversität von Singapur, glaubt, dass der Ineda-Ansatz durchaus Strom sparen könne. ARM, die Firma, deren Chipdesign heute in den meisten Mobilgeräten steckt, denke bereits in eine ähnliche Richtung. Sie hat sogenannte big.LITTLE-Chips entwickelt, die große und kleine Prozessorkerne enthalten. Ineda gehe hier aber weiter, so Mitra: "Statt nur großen und kleinen Kernen gibt es hier eine ganze Reihe unterschiedlicher Varianten."

Eine Herausforderung bestehe allerdings noch darin, dass die heute verwendeten Betriebssysteme erst an die neue Hardware angepasst werden müssten. Dasari sieht diese Probleme der Softwareintegration, kündigt aber Werkzeuge an, mit denen sie adressiert werden können. (bsc)