World Maker Faire: Zur Gefahr selbstgebauter Picosatelliten

Die Maker-Bewegung macht immer mehr selbst. Inzwischen werden sogar kleine Satelliten gebaut. Zu der davon ausgehenden Gefahr ergriff ein Raumfahrtingenieur auf der World Maker Faire das Wort.

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"Think evil!", forderte Professor Alex "Sandy" Antunes seine Zuhörer auf der World Maker Faire in New York auf. "Denken Sie wie ein Bösewicht! Nur so können Sie herausfinden, welchen Schaden Sie mit zehn Zentimetern Kantenlänge und gut einem Kilogramm Masse anrichten können". So groß sind CubeSats. Solche und ähnliche Picosatelliten, die auf Projekten von Schulen, Universitäten oder Privatpersonen beruhen, dürfen ab und zu in Raketen mitfliegen.

Prof. Alex "Sandy" Antunes ist ein Fan der winzigen Satelliten.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Manche Zeitgenossen haben Bedenken, wenn plötzlich Laien Satelliten bauen. Antunes, der am Capital College in Maryland Astronautical Engineering lehrt, hält die Befürchtungen für im Wesentlichen unangebracht. Denn rein physikalisch sei aus den winzigen Würfeln nicht genügend Energie herauszuholen, um weitreichend Schaden anzurichten. Und nach einigen Monaten bis wenigen Jahren verglühen sie ohnehin in der Atmosphäre.

Antrieb dürfen die Picosatelliten keinen haben, und auch sonst werden sie vor dem Start genau auf Gefahrenpotenziale untersucht. Zwar könnte es gelingen, eine kleine Kartusche komprimierten Gases als Kondensator zu tarnen. Weit käme man mit diesem "Antrieb" aber nicht. Und weil andere Satelliten auf einer ähnlichen Umlaufbahn mit ähnlichem Tempo unterwegs sind, wäre die relative Geschwindigkeit im Falle einer Kollision gering.

Kreative Geister hatten den Einfall, die Fläche des Picosatelliten nach dem Start zu vergrößern. Das ginge besonders effizient mit einer Art Fischnetz mit kleinen Metallkugeln. Es könnte mit Hilfe der Eigenrotation des Satelliten im All ausgeworfen werden. Oder: Ein gezielter Abwurf von Masse würde einen Picosatelliten unwuchtig machen und so so seine Umlaufbahn verändern. Wie man es auch angeht: "Ein sehr guter Ingenieur könnte vielleicht einen (einzelnen) anderen Satelliten ausschalten." Mehr gesteht Antunes nicht zu.

Doch mit Geisteskraft ließe sich vielleicht viel mehr bewegen. Kleine Sender in Picosatelliten könnten von und zur Erde funken, etwa um Zensur und Kommunikationssperren zu umgehen. Das kann natürlich auch als Gefahr wahrgenommen werden. "Kleine Sender können sehr stark sein", sagte der Professor.

Für besonders brisant hält er religiöse Ideen. Dabei sei etwa an eine christliche Gruppe gedacht, die in bester Absicht einen Picosatelliten mit Hostien oder Weihwasser auf die Reise schickt. Für den Weltfrieden oder um alle Menschen im Erdumdrehen zu taufen. Anderen Menschen könne das aber Angst machen. Und dann waren da noch jene, die Picosatelliten gerne für Reklamezwecke einsetzen würden… (ds)