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Das Aufkommen von App-Stores und Freemium-Monetarisierungssystemen ließ das permanente "Piraten"-Geschrei bis zu einem gewissen Grad verstummen. Andernorts bildet sich im Bereich der Musikindustrie ein neues System heraus, das auch für Mobile-Entwickler interessant sein könnte.
- Tam Hanna
Das Aufkommen von App-Stores und Freemium-Monetarisierungssystemen ließ das permanente "Piraten"-Geschrei bis zu einem gewissen Grad verstummen. In Brasilien (und der Slowakei) bildet sich im Bereich der Musikindustrie ein neues System heraus, das auch für Handcomputerentwickler interessant sein könnte.
Fangen wir mit einer kleinen Geschichte an. Ich halte mich von Zeit zu Zeit in einem unterirdischen Club in Pressburg auf, in dem diverse DJs und andere Technoheads ihr Kunst zum Besten geben. Am Weg zu einem aus presserechtlichen Gründen nicht nennbaren Ort traf ich einen DJ, der mich in den vorhergehenden 30 Minuten beeindruckte.
Meine Frage nach einem Album wurde mit der Aufforderung zum Einschalten des Bluetooth-Radios meines Telefons beantwortet. Als Dank für meinen Aufwand bekam ich zwei komplette Alben auf mein Smartphone gebeamt. Diese für etablierte Labels unverständliche Vorgehensweise erschließt sich erst auf den zweiten Blick.
Mr. DJ wurde vom Club aufgrund seiner Floorfilla-Eigenschaften am Getränkeumsatz und am Eintrittsgeld beteiligt. Jede mir umgelegte Flasche Pfirsichsaft brachte dem Interpreten mehr Einnahmen, als er am Verkauf einer CD jemals verdienen könnte. Die kostenlosen MP3-Dateien dienten somit als eine Art Demo, die mich – samt Mitarbeitern und Freunden – beim nächsten Auftritt zum Verzehr von Metaxa, Martell und Pfirsichsaft animieren sollte.
In Brasilien gibt es mit Technobrega eine ganze Musikszene, die von der kostenlosen Verteilung ihrer Tracks lebt. Einkommen entsteht durch Konzerte, Werbeverträge und Sponsoring: wenn besagter DJ eine eigene Pfirsichsaftlinie herausbringen würde, wäre ich einer der ersten Käufer.
Für Handcomputerentwickler gibt es hier eine einfache und zugleich immens wichtige Lektion. Es gibt Trends, die man nicht (ohne Weiteres) bekämpfen kann. Wer mit dem Strom schwimmt, erspart sich in vielen Fällen Stress, Ermüdung und Muskelkater. ()