Durch die vierte Wand
Theaterschauspieler sind normalerweise von drei Wänden beschränkt. Die in Richtung des Publikums zeigende "vierte Wand" wird immer dann durchbrochen, wenn das Ensemble mit seinen Zuschauern spricht. In Spielen und Apps lässt sich ein ähnliches Schema zur Belohnung von gewünschtem Verhalten einsetzen.
- Tam Hanna
Theaterschauspieler sind normalerweise von drei Wänden beschränkt. Die in Richtung des Publikums zeigende "vierte Wand" wird immer dann durchbrochen, wenn das Ensemble mit seinen Zuschauern spricht. In Spielen und Apps lässt sich ein ähnliches Schema zur Belohnung von gewünschtem Verhalten einsetzen.
Spieler reagieren darauf im Allgemeinen positiv. Metal Gear Solid ist fĂĽr einen seiner Endgegner besonders bekannt: Ein als Psycho Mantis bezeichneter "Psychologe" analysiert die Speicherkarte des Spielers, um weitere Informationen ĂĽber sein Verhalten in der realen Welt zu erhalten. Social Games belohnen ihre Spieler seit Jahr und Tag mit In-Game-Credits: Wer seine Freunde zuspammt, muss weniger Geld investieren. Im Bereich klassischer Apps war diese an "Gamification" angelehnte Vorgehensweise bisher nur selten anzutreffen.
Im Rahmen meiner Beratungstätigkeit stand ich vor einiger Zeit vor der Aufgabe, einen Newsreader "sozial attraktiver" zu gestalten. Die Klientel des Unternehmens war sozialen Netzen und Gamification im Allgemeinen nicht aufgeschlossen: Wer den Premium-Newsdienst des Mediums bezog, würde auf die Einführung von Awards und Co mit nackter Aggression reagieren.
Ein vergleichsweise primitiver Wettbewerb löste dieses Problem auf eine einfache und nicht allzu teure Weise. Die Sharing-Rate der Nutzer wird einmal pro Monat ermittelt, der "aktivste" User bekommt einen kleinen, aber spürbaren Preis aus der realen Welt (in diesem Fall eine rund 30 Euro kostende Flasche ungarischen Dessertweins).
Man muss nicht immer GĂĽter aus der realen Welt verteilen. Weniger "technikfeindliche" Nutzer lassen sich mitunter schon durch das kostenlose Freischalten von Premium-Features zum exzessiven Teilen bewegen. Dies liegt unter anderem daran, dass das Teilen seit jeher Teil der menschlichen Psyche ist. Wer eine fĂĽr seine Freunde erfreuliche oder nĂĽtzliche Information besitzt, gibt diese gerne weiter. Wenn ihm die App diese natĂĽrliche Emotion erleichtert und sie noch dazu belohnt, ist dies ein immens starker Konditionierungsreiz. ()