Wie Snapchat und Co. sicherer werden könnten
Smartphone-Programme, mit denen Bilder eines Kommunikationspartners nach wenigen Sekunden wieder verschwinden, lassen sich leicht austricksen. Eine neue App setzt nun auf einen optischen Trick, der das Speichern vergänglicher Nachrichten verhindern soll.
- Rachel Metz
Smartphone-Programme, mit denen Bilder eines Kommunikationspartners nach wenigen Sekunden wieder verschwinden, lassen sich leicht austricksen. Eine neue App setzt nun auf einen optischen Trick, der das Speichern vergänglicher Nachrichten verhindern soll.
Apps mit eingebautem Datenschutzfaktor erfreuen sich zunehmender Beliebtheit – seien es nun Programme zum verschlüsselten Kommunizieren oder Anwendungen, die versprechen, Gesendetes nach der Durchsicht durch den Empfänger gleich wieder zu löschen.
Der US-Dienst Snapchat gehört zu den Vorreitern des letzteren Genres: Er erlaubt das Verschicken von Fotos, die sich nach der Betrachtung innerhalb weniger Sekunden "selbstzerstören" sollen. Doch so richtig gut klappt das technisch nicht, wie ein großangelegter Leak von Privataufnahmen erst kürzlich wieder zeigte: Mit etwas Mühe lassen sich Snapchat-Bilder, seien sie auch noch so pikant, doch speichern.
Die US-Firma ContentGuard hat mit Yovo nun eine App entwickelt, die Nachrichten wirklich vergänglich machen soll. Sie kann technisch verhindern, dass Nutzer einfach einen Screenshot eines Bildes anfertigen, wie das so häufig bei Snapshot und Co. erfolgt.
Die Funktionalität von Yovo ist sehr ähnlich: Man kann damit Fotos mit kurzen Notizen an Kommunikationspartner versenden, die sich beim Empfänger dann für eine eingeschränkte Zeit betrachten lassen, bevor sie sich selbst wieder löschen.
Yovo, das zunächst für das iPhone erhältlich ist, nutzt zusätzlich noch ein Verfahren namens "D-fence". Dieses sorgt dafür, dass ein Bild im Original nicht gesichert werden kann, trotzdem aber vom menschlichen Auge normal wahrgenommen wird.
ContentGuard entwickelt eigentlich Programme für den geschützten Austausch von Dokumenten. Produktchef Scott Richardson sagt, dass die Firma schon seit längerem eine auf Datenschutz bedachte Social-Media-Anwendung entwickeln wollte – irgendwo zwischen ganz privat wie Snapchat und öffentlich wie Instagram, wo die Bilder normalerweise für die halbe Welt sichtbar sind.
Richardson zufolge wurde bei der Entwicklung schon früh klar, dass es eine Möglichkeit geben müsste, Bildschirmaufnahmen zu verhindern. "Solange die Nutzer das tun können, ist die App löchrig", sagt er.
Die Lösung von Yovo setzt auf einen optischen Trick, der die Eigenheiten der menschlichen Wahrnehmung ausnutzt. Es handelt sich um das sogenannte Lattenzaun-Phänomen: Fährt man an einem solchen Zaun, der aus geschlossenen und offenen Bereichen besteht, mit einer bestimmten Geschwindigkeit vorbei, kann man ungehindert durch ihn hindurchsehen.
Fotos, die mit Yovo verschickt werden, können entweder sehr kurz (eine Sekunde) oder etwas länger (einen ganzen Tag) sichtbar bleiben. Setzt man den "D-fence"-Filter ein, wird das Bild mit einem virtuellen Zaun versehen. Dieser besteht aus opaken Streifen, die die Aufnahme überlagern.
Dieser virtuelle Zaun bewegt sich so schnell über das Bild, dass es für das menschliche Auge so aussieht, als würde man das ungestörte Bild betrachten. Screenshots machen die visuelle Störung dagegen sofort sichtbar, ebenso Aufnahmen mit einer Kamera. Große Teile werden verdeckt.
Es gibt noch andere Funktionen bei Yovo – etwa die Möglichkeit, bestimmte Bereiche unscharf darzustellen und nur von bestimmten Personen sichtbar machen zu lassen. Nutzer können Bilder auch außerhalb der App versenden, etwa per E-Mail, SMS, Facebook oder Twitter. Dann erhält man einen Link ins Web, der nur einmal funktioniert.
Ganz perfekt ist der "D-fence"-Filter allerdings noch nicht. So kommt es in der ersten Version zu einem erkennbaren Flackern des Bildes. Ein Update, das mit einer höheren Bildwiederholrate arbeitet, soll das Problem weitgehend lösen. Sie soll im November verfügbar sein. (bsc)