SDN & OpenFlow World Congress: Mehr Verlässlichkeit durch Virtualisierung
Das automatische Umkonfigurieren von Netzwerken per SDN/NFV soll etwa bei Katastrophen dafür sorgen, dass unwichtiger Verkehr gedrosselt wird, damit mehr Telefonate durchgehen können.
Auf dem Branchentreffen SDN & OpenFlow World Congress, das seit Mittwoch in Neuss stattfindet, geht es um die Etablierung neuer Techniken in den Netzen der Provider. Sie hoffen, Kosten zu senken und ihre Netze flexibler zu verwalten, indem sie Software Defined Networking (SDN) und Network Function Virtualization (NFV) einsetzen.
Interesse an SDN. Der Provider will die Technik breit einsetzen.
(Bild:Â Torsten Kleinz)
"Es handelt sich um einen Hype, der jetzt Realität wird", sagte Axel Clauberg, Manager der Deutschen Telekom und Vorstandsmitglied der Open Networking Foundation. So seien zu den ersten Konferenzen vor zwei Jahren nur eine Handvoll von Experten angereist. Das aktuelle Branchentreffen in Neuss konnte hingegen 1300 Anmeldungen registrieren, darunter nicht nur Repräsentanten von Zulieferern, sondern auch Vertreter vieler internationaler Internet-Provider.
Erster Treiber der Einführung der "Cloudifikation" der Netzwerk-Funktionen ist die Kostensenkung. Statt teurer Spezial-Hardware mit dem Label "Carrier Grade" wollen Provider virtualisierte Server einsetzen, die flexibel für verschiedene Funktionen genutzt werden können – von der Abwicklung von Telefongesprächen bis zum Routing von Internetverbindungen.
Verbesserte Ausfallsicherheit
Ein weiterer Vorteil soll höhere Ausfallsicherheit sein: So arbeitet der japanische Provider NTT Docomo an einem System, das Katastrophen wie dem Tsunami von 2011 besser widerstehen kann. Damals konnten im NTT-Netz nur fünf Prozent der Telefongespräche durchgestellt werden. Mit der flexiblen Umwidmung der Serverkapazitäten und dem Umleiten von Gesprächen weg von überlasteten Rechenzentren soll diese Quote auf 25 Prozent gesteigert werden. Bei Kunden mit eigenen Rechenzentren, beispielsweise Krankenhäusern, hat NTT Docomo SDN-Techniken bereits eingeführt.
Neben der Kostensenkung werben die Ausrüster auch mit den erweiterten Funktionen, die die Provider ihren Kunden bieten können. Als Beispiele führte der NEC-Manager Kazuya Hashimoto das Beschleunigen von Videostreams, Inhaltsfilterung, Firewall-Funktionen oder Jugendschutzfilter an, die Internetprovider künftig einfacher bereitstellen könnten. (ea)