Konkurrenz bei Domain-Registrierung gewinnt an Fahrt

Auf der ICANN-Informationsveranstaltung in Leipzig zogen die deutschen Registrierungsstellen fĂĽr Top Level Domains erste Bilanz.

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Von
  • Monika Ermert

Bei der ICANN-Informationsveranstaltung in Leipzig Ende letzter Woche zogen die deutschen Wettbewerber von Network Solutions (NSI), dem Ex-Monopolisten für die Registrierung der Top Level Domains, eine erste Bilanz. 100.000 Adressen in .com-, .org- und .net-Domains hat der Core-Registrar Computer Service Langenbach diesen Monat registriert, ungefähr dieselbe Anzahl bringen andere internationale und deutsche Core-Mitglieder wie Knipp Medien und die Wespe GmbH zusammen. Seit Mitte Januar ist auch die EPAC "theoretisch operativ", sagte in Leipzig Newcomer Alexander Böker. "Wir können und dürfen .com-, .net- und .org-Domains registrieren, das müssen wir erst einmal verdauen", erklärte Böker. Die Preise bewegen sich bei den verschiedenen Firmen zwischen einem Euro pro Monat und den ursprünglich von NSI eingeführten 35 US-Dollar pro Domain und Jahr.

Registrieren in den Top-Level-Domains ist damit deutlich günstiger als das Ausweichen in die mehr und mehr für alle offenen Länder-Domains. Eine österreichische .at-Domain kostet immerhin 1000 Schilling im Jahr. "Das österreichische Network Information Center bietet dafür aber auch mehr Service", meinte Sabine Dolderer vom DENIC, der Registrierungsstelle für .de-Domains. Recht unterschiedlich gehen die verschiedenen Länder-Stellen nach wie vor mit Einschränkungen beim Registrieren um. Während Unternehmen in Schweden ihren Handelsregistereintrag vorlegen müssen, um eine einzige Domain zu bekommen, wird in Österreich registriert, was frei ist. "Wir registrieren auch tralala.at und fragen uns allenfalls, ob das nicht ein komischer Domain-Name ist", erklärte ein Vertreter der Registratur für die österreichische Domain. In der Schweiz werden dagegen Gemeinde- und Ortsnamen nur nach Rücksprache mit den jeweiligen Behörden vergeben: "Aber wir haben in der Schweiz viele Berge. Für die fühlt sich offensichtlich niemand zuständig."

Bei Streitigkeiten um die Domain-Namen vermitteln gerade die kleinen Registries noch in vielen Fällen selbst. Beim DENIC, das gerade an die Marke von zwei Millionen registrierter .de-Domains gelangt, ist das kaum möglich. Das neue Streitschlichtungsverfahren der ICANN wurde überwiegend positiv beurteilt. Inzwischen sind deutlich über 200 Fälle anhängig, eine Ausweitung der Verfahren über reine Cybersqattingfälle hinaus will die ICANN aber vermeiden. Ohnehin geben sich ICANN-Vertreter größte Mühe, die Funktion der Organisation als rein-technische Dienstleisterin der Community zu definieren. ICANNs Aufgabe sei nicht politisch, wurde Rob Blokzijl bei der Diskussion um die ICANN-Wahl nicht müde zu betonen. Allenfalls hätten manche der technischen Entscheidungen "politische Implikationen". (Monika Ermert) (jk)